Berlin : HINTER DEN KULISSEN

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Der Humor des Innensenators Ehrhart Körting ist oft so britisch trocken, dass der Zuhörer im Unklaren bleibt, ob er auch wirklich lachen soll. Der SPD-Mann verzieht in solchen Situationen selbstverständlich keine Miene. So wie am Donnerstag im Landesparlament, als die Rede noch einmal auf den FU-Professor Peter Grottian kam, der sich vom Verfassungsschutz zu Unrecht beobachtet fühlt. Geduldig wiederholte Körting seine inzwischen wohl bekannte Position: Nicht Grottian sei bespitzelt worden, sondern einige Autonome im Umfeld des Sozialforums, das der stadtbekannte Politologe mitgegründet hatte. Aber: „Mit dem man sich ins Bett legt, mit dem wird man gefunden“, hob der Innensenator den verbalen Zeigefinger. Das sei ein altdeutscher Spruch und überhaupt nicht anzüglich gemeint. Sogar die Grünen amüsierten sich über das Körting’sche Sprichwort, das sprachhistorisch nicht belegt ist.

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Beide könnten durch Kreuzberg mit verbundenen Augen laufen, ohne irgendwo anzustoßen. Der CDU-Kreischef Kurt Wansner ist im Kiez geboren, die sozialdemokratische Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer macht dort seit 30 Jahren Politik. Er ist konservativ bis in die Knochen, sie gehört zu den überzeugten Linken in der Landes-SPD. Trotzdem mögen sich die beiden, wahrscheinlich verbindet sie ihre Bodenständigkeit. Als Wansner in der Fragestunde des Parlaments auf die Sorgen der Mittelständler zu sprechen kam, die beim Ausbau des Flughafens Schönefeld möglicherweise nicht zum Zuge kommen, nahm Junge-Reyer den CDU-Kollegen ganz spontan vor dem Abgeordnetenhauspräsidenten Walter Momper in Schutz. Der hatte streng festgestellt, dass „für mich nicht erkennbar ist, dass Sie eine Frage gestellt haben, Herr Wansner“. Das sei nicht so schlimm, mischte sich die Senatorin ein. „Ich kenne Wansner schon so lange, dass ich auch Fragen beantworten kann, die er nicht gestellt hat.“ Ulrich Zawatka-Gerlach

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