Berlin : HINTER DEN KULISSEN

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Obwohl die SPD nach neuesten Umfragen keine Mehrheit mehr hätte, nach dem 17. September mit der Linkspartei zu koalieren, war SPD-Landeschef Michael Müller in dieser Woche sehr entspannt. „Da schlägt der Bundestrend durch“, sagte Müller am Mittwoch während einer Besichtigungstour der Berliner Stadtgüter. Und statt politischer Analysen schaute er sich auch lieber Gutshöfe und Rindviecher an. Man merkte bei ihm allerdings eine gewisse Distanziertheit gegenüber den Wiederkäuern. Mit Kühen hat es Müller nicht so. Als Kind machte er schlechte Erfahrungen mit ausschlagenden Pferden, von Kühen ist solch Niedertracht nicht bekannt. Immerhin wandte sich Müller kleinen Kälbern zu und streichelte sie fürs Foto. Deren Fell würde sich nicht „so hart“ wie bei Kühen anfühlen, sagte er. Hm, ein Urlaub auf dem Bauernhof könnte vielleicht die richtige Desensibilisierungsstrategie für Michael Müller sein, um seine „Kuh-Ängste“ zu überwinden.

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Mieke Senftleben geht gern schwimmen. Seit Jahren hat die FDP-Politikerin im Sommer für längere Öffnungszeiten in den Bädern der Berliner Bäderbetriebe gekämpft – und seit diesem Freitag haben immerhin fünf Anlagen bis 21 Uhr geöffnet. Nur: Frau Senftleben mag chlorhaltiges Wasser gar nicht. Lieber kühlt sie sich abends im Freibad Lübars ab. Weil Politiker aber auch den Erfolg ihrer Forderungen überprüfen sollten, will sie jetzt die länger geöffneten Sommerbäder besuchen und schauen, ob mehr Besucher abends noch baden gehen, wenn bis zum Sonnenuntergang geöffnet ist. Das hatte sie nämlich behauptet.

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Vier Wochen lang war Grünen-Politiker Özcan Mutlu Stipendiat im Young Leader Program des German Marshall Fund und besuchte amerikanische Städte. Zu den Aufgaben der Stipendiaten gehörte es, sich ehrenamtlich zu betätigen und so einen Einblick ins amerikanische Alltagsleben zu bekommen. In Washington DC schmierte Özcan Mutlu Sandwiches und verteilte diese an Obdachlose – direkt gegenüber dem Sitz der Weltbank. Plötzlich sah er eine Motorrad-Eskorte und viele schwarze Limousinen. Jemand juxte: „Stramm stehen, jetzt kommt der Präsident.“ Und tatsächlich: George W. Bush blickte aus einem Autofenster. Ausgestiegen ist er dann doch nicht. Das hätte Özcan Mutlu wirklich umgehauen, der sowieso dachte, er wäre angesichts der sozialen Gegensätze „eh schon im falschen Film“. Sabine Beikler

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