Berlin : HINTER DEN KULISSEN

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Er ist ein Kärrner der Parlamentsarbeit. Seit zwölf Jahren kümmert sich Alexander Kaczmarek um die Finanz- und Verkehrspolitik der CDU. Trotz seiner scharfen Zunge genießt der Abgeordnete fast überall Respekt, sogar Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) äußert sich lobend über Kaczmarek. In der Union, jedenfalls in Neukölln, muss er aber schon seit Jahren ums politische Überleben kämpfen. Für die Wahl am 17. September durfte Kaczmarek nicht mehr kandidieren, auch wenn ihn der CDU-Spitzenkandidat Friedbert Pflüger ins Schattenkabinett holte. Im heimatlichen Ortsverband ist die Feindschaft so weit gediehen, dass Kaczmarek im CDU-Blättchen „Buckower Rundschau“ aus dem Gruppenfoto mit Pflügers neuem Team herausretuschiert wurde. Sehr professionell. Der ungeliebte Parteifreund hinterließ keinerlei Spuren. za

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Einer alten Sitte folgend ging der Bauausschuss des Abgeordnetenhauses am Mittwoch, nach fünf Jahren gemeinsamer Arbeit, auch zusammen in die Kneipe. Besser gesagt: ins Café „Eleven“ am Leipziger Platz. Die Stimmung war prima, auch wenn im Ausschuss hart gefochten wurde, aber der Vorsitzende Manuel Heide , ein CDU-Mann aus Reinickendorf, führte stets locker und fair durch die Sitzungen. Man kam gut miteinander aus. Nach dem Umtrunk, als der SPD-Fraktionsgeschäftsführer Christian Gaebler aufs Fahrrad stieg, kam der Kellner hinterher. Mit einem roten Koffer in der Hand, den habe Gaebler wohl stehenlassen. „Sie wollen sicher, dass er draußen explodiert!“ Aber der Koffer gehörte nicht dem roten Gaebler, sondern dem schwarzen Heide. Der SPD-Mann lud ihn aufs Rad und holte den CDU-Kollegen noch ein. Es waren nur Akten drin. za

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Geburtstagsfeiern können diplomatische Herausforderungen sein. Vor allem, wenn nicht alle Gäste, die man einladen möchte, zueinander passen. Wirtschaftssenator Harald Wolf, der gestern 50 Jahre alt wurde, setzt für seine heute stattfindende öffentliche Feier auf klare Trennung: Am Nachmittag feiert er zwei Stunden als Senator und hat die entsprechenden Gäste geladen. Danach feiert er als Politiker der Linkspartei/PDS weiter mit einer Party, die die Partei als ihr Sommerfest deklariert hat. Beide Feiern finden am gleichen Ort statt (das Haus des Verbandes öffentlicher Banken in Tiergarten), aber zwischendurch gibt es eine halbe Stunde Pause – auch, damit niemand derjenigen, die dem Senator gratulieren wollen, sich aber auf einem PDS-Fest fehl am Platze fühlen, in Verlegenheit kommt. Geschenke will Wolf übrigens gerne, aber nicht für sich. Stattdessen bittet er um Spenden für Flüchtlinge, die im Zentrum für Folteropfer behandelt werden. lvt

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