Berlin : HINTER DEN KULISSEN

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In diesen Tagen hat der Berliner SPD-Chef Michael Müller wenig Zeit, sich um ein zentrales Problem der deutschen Sozialdemokratie zu kümmern – die Koalitionsgespräche halten ihn in Trab. Auf das Problem stieß Müller, als er kürzlich gemeinsam mit Vater und Sohn Eisenach besuchte. Eine familiäre Wallfahrt zum „Goldenen Löwen“, wo am 7. August 1869 August Bebel und Wilhelm Liebknecht den Gründungskongress der „Sozialdemokratischen Arbeiterpartei“ eröffneten. Aber die Müllers wurden enttäuscht, die Gedenkstätte war am Wochenende geschlossen. In der früheren Gaststätte haben heute die örtlichen SPD-Abgeordneten ihre Büros, sie ist kein Museum mit Öffnungszeiten am Wochenende. Doch der Berliner Sozialdemokrat ließ nicht locker, spannte seinen Landesgeschäftsführer Rüdiger Scholz ein und der half, für den Sonntag einen Schlüssel zu beschaffen. Müller ist trotzdem nicht zufrieden. Denn inzwischen musste er feststellen, dass noch nie seit 1945 ein amtierender SPD-Parteichef den „Goldenen Löwen“ besucht hat. Nur Gerhard Schröder war da, aber schon als Privatier. za

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Als Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) in einer großen Koalitionsrunde seine Ideen vortrug, wie viel Geld Berlin in den nächsten Jahren noch einsparen könnte, schaute ihn Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) amüsiert an. Der Linkspolitiker antwortete auf Sarrazins Sparvorschläge beiläufig, dass er für deren Durchsetzung sicher militärische Unterstützung in der Stadt bräuchte. Daraufhin blickte Innensenator Ehrhart Körting (SPD) auf, meldete sich artig und sagte: „Und ich brauche mehr Polizisten.“ Die Runde lachte herzhaft: Sarrazins Sparideen betrafen vor allem Lehrer und Polizisten. sib

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Manchmal brauchen die Grünen ein Weilchen zur Beschlussfindung. Da hatte ihnen CDU-Fraktionsvize Michael Braun ein Fußballspiel angeboten – die Gewinner sollten einen WM-Ball mit dem Autogramm von Franz Beckenbauer bekommen. Doch Braun, der zwei von diesen Bällen bei einer Beckenbauer-Ehrung in Berlin hatte ergattern können, hörte von den Grünen nichts und spendete die Bälle für einen andern Zweck. Vor kurzem teilten ihm die Grünen mit, sie seien spielbereit. Am Montag um 17.30 Uhr will man im Poststadion aufeinandertreffen. Bei den Grünen sollen unter anderen die Jung-Abgeordnete Clara Herrmann, Fraktionschef Volker Ratzmann und, sozusagen als Verstärkung aus der politischen Bundesliga, Fritz Kuhn auflaufen. Die Mannschaft der CDU bietet Fraktionschef Friedbert Pflüger auf, der früher viel Fußball gespielt hat und nun immerhin die zweite Halbzeit bestreiten will. Pflüger hat seinen Büroleiter Timo Lübeck ins Tor gestellt. Auch Generalsekretär Frank Henkel und Braun treten an. Als Trophäe hat Braun jetzt einen Ball mit Angela-Merkel-Autogramm beschafft. Mal sehen, ob die Grünen um diesen Preis wirklich kämpfen. wvb.

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