Berlin : HINTER DEN KULISSEN

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Einen so gut gelaunten SPD-Finanzsenator wie am Donnerstagabend hatte man in letzter Zeit selten gesehen. Geduldig hörte Thilo Sarrazin auf einer Veranstaltung des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) den Vorschlägen von Wissenschaftlern zu, wie man am besten Haushaltskonsolidierung betreiben sollte. Natürlich kam das Gespräch auch auf die Koalitionsvereinbarung. Dass die Verhandlungen darüber „in Teilen kontrovers“ verlaufen seien, sei in einer Demokratie ja normal. „Wenn das anders wäre, müsste man Diktator sein“, sagte Sarrazin. Dann könne man auch sein persönliches „Weltverbesserungsprogramm“ durchsetzen. Und gab Kai A. Konrad vom Wissenschaftszentrum Berlin und Jobst Fiedler von der Hertie School of Governance noch einen kleinen Seitenhieb mit: Würde er in die Wissenschaft gehen, dann hätte er immer Recht. „Im praktischen Leben ist das aber anders.“

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Nach langen Verhandlungen über den Koalitionsvertrag lud Klaus Lederer am Mittwochabend seine Genossen ein, beim Italiener gegenüber vom Roten Rathaus noch ein Glas Rotwein trinken zu gehen. Der PDS-Parteichef kam ein bisschen später dazu, weil er zuvor noch vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit in dessen Amtszimmer zu einem Umtrunk eingeladen worden war. Die Zeche seiner Parteifreunde hat Lederer trotz Einladung aber nicht übernommen. Begründung: Als er erschien, waren bereits einige schon nach Hause gegangen. Das wäre denen gegenüber doch sehr ungerecht gewesen, hätte er „nur“ für den Rest der Anwesenden gezahlt. Das nennt man sozialistische Gerechtigkeit.

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Seine erste Plenarsitzung verbrachte der neu gewählte FDP-Abgeordnete Kai Gersch in bangen Gedanken an zu Hause. Seine fünfjährige Tochter hatte ein für sie elementar wichtiges Stofftier verloren. Das Kind weinte pausenlos über diesen Verlust, bis Familie Gersch Flugblätter verteilte und aufhängte. Und siehe da: Ein paar Tage später meldete sich der treue Finder des wertvollen Schmusetieres. So bekam das kleine Mädchen ihren Winnie Puuh Esel wieder und ist seitdem wieder glücklich. Es gibt im Leben auch mal Wichtigeres als Politik. Sabine Beikler

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