Berlin : HINTER DEN KULISSEN

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Im Wahlkampf warb die Linkspartei um Stimmen für „Richtigrot“, auf dass die Partei (Symbolfarbe Rot, in Fachkreisen HKS 14 genannt), weiter an der Seite der SPD (Symbolfarbe ebenfalls Rot, aber das etwas hellere HKS 13) Berlin regiere. Jetzt soll am Montag der Koalitionsvertrag unterzeichnet werden. Gebunden wird das Dokument in Leinen, und zwar in rotes. Das ist ein Novum. Der alte rot-rote Koalitionsvertrag war in blaues Leinen gebunden, nur die Schrift auf dem Einband war rot. Die ist diesmal blau. Farbpsychologisch eine heikle Sache: Rot symbolisiert nämlich nicht nur Glück, Freude, Energie und Liebe, sondern auch Hass, Impulsivität und Zorn. Die Berliner großen Koalitionen der 90er Jahre ließen ihre Verträge übrigens in Schwarz binden – nicht als Zugeständnis an die CDU, sondern weil Schwarz als neutrale Farbe galt. Die gewagteste Farbgebung hatte der rot-grüne Koalitionsvertrag von 1989: Er war in Rot und Grün gehalten, diagonal geteilt. Das tat nicht nur im Auge weh – die Koalition hielt auch nur ein gutes Jahr. lvt

CDU-Fraktionschef Friedbert Pflüger , inzwischen bekennender Berliner aus Niedersachsen, hat im Wahlkampf einigen Spott zu hören bekommen. Als er mal auf die zahlreichen Städte hinwies, in denen er gearbeitet hat, kommentierte Wowereit das mit der Bemerkung, das sei kein Wunder – wenn man aus Hannover komme. Bei anderer Gelegenheit hörte Pflüger, er sei ohnehin nur auf der Durchreise. Nun spottet Pflüger zurück. In einem Brief an Wowereit erinnert er den Regierenden daran, dass dessen beiden angebliche Kandidaten für das Bildungsressort, Edelgard Bulmahn und Thomas Oppermann, aus Niedersachsen stammten. „Unter uns Berlinern“ wolle er Wowereit „mit großer Besorgnis“ darauf hinweisen, dass Bulmahn Hannover als ihre Heimatstadt bezeichne. Beide wären dann wohl nur „auf der Durchreise“, so Pflüger, und: „Ich halte es für bedenklich, dass Sie sich beim Thema Bildung, dem Schlüsselressort der Zukunft, auf Leute aus der Provinz verlassen.“wvb.

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