Berlin : HINTER DEN KULISSEN

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Manche Abgeordnete konnten sich am Donnerstag nach dem Wahldesaster für den Regierenden Bürgermeister nur noch in Galgenhumor retten. Während der einstündigen Sitzungsunterbrechung im Abgeordnetenhaus machte sich Stefan Liebich von der Linkspartei tiefsinnige Gedanken über Jürgen Zöllner (SPD), der zu diesem Zeitpunkt noch nicht zum Berliner Senator für Bildung und Wissenschaft ernannt worden war. „Mensch, der arme Herr Zöllner“, rief Liebich vor seinen Fraktionskollegen aus. Zöllner hatte sich nämlich vormittags in der PDS-Fraktion unter anderem mit den Worten „Zurzeit bin ich arbeitslos“ vorgestellt. Wahrscheinlich sorgte sich Liebich um Zöllners Zukunft: Der Wissenschaftspolitiker wäre tatsächlich erst einmal ohne Beschäftigung gewesen, hätte Wowereit im zweiten Wahlgang nicht noch eine Ja-Stimme mehr erhalten.

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Just während dieser denkwürdigen Parlamentssitzung marschierte munter eine Besuchergruppe von der Deutschen Marine durch das Abgeordnetenhaus. Unter den offiziellen Gästen sollen auch Minensucher gewesen sein. Eine ganz große Mine hatten die adrett blau-weiß gekleideten Herren der Bundeswehr direkt vor Augen: Im Plenarsaal gab es hoch explosiven Zündstoff. Auch „Heckenschützen“ lagen auf der Lauer, die gezielt Klaus Wowereit im Visier hatten. Trotz Anwesenheit des Militärs blieben sie unerkannt.

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Der eine geht, der andere kommt: CDU-Fraktionschef Friedbert Pflüger hielt am Freitag seine Abschiedsrede im Bundestag. Der 51-Jährige legte anschließend sein Mandat nieder, um nach 16 Jahren Bundespolitik seine Dienste auf die Berliner Landespolitik zu konzentrieren. Dagegen hatte Grünen-Politikerin Sibyll Klotz nach fast 16 Jahren Landespolitik genug vom Abgeordnetenhaus und wechselte als Sozialstadträtin nach Tempelhof-Schöneberg. Die 45-Jährige hat ihr Mandat bereits niedergelegt. Ihre ehemalige Fraktion richtete für sie am Freitagabend ein Fest im Rathaus Schöneberg mit vielen Gästen aus. Die Laudatio sollte Lea Rosh halten. Als Geschenk erhielt Sibyll Klotz unter anderem ihre erste und letzte Presseerklärung als Abgeordnete. Die erste datiert vom 13. Februar 1991. Darin kritisierte sie Kürzungen im Jugendbereich. In der letzten Erklärung vom 9. Oktober dieses Jahres forderte sie eine bessere Betreuung von Arbeitslosengeld-II-Empfängern. Sabine Beikler

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