Berlin : HINTER DEN KULISSEN

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Wer die Senatoren testen will, ob sie über ihre Fachthemen Bescheid wissen und kurze, aber profunde Antworten geben können, der sollte sich im Parlament einmal die Spontane Fragestunde anhören. Auch Arbeits- und Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (Linkspartei/PDS) wurde am Donnerstag vom FDP-Abgeordneten Rainer-Michael Lehmann gefragt. Der Liberale wollte von ihr wissen, warum bei der Planung des Großflughafens kein Behindertenverband konsultiert worden sei – und ob „Barrierefreiheit ein wichtiges Element von politischen Entscheidungen“ sei. Statt einer Antwort aber musste Knake-Werner erst einmal lachen. Sie entschuldigte sich mit den Worten, dass sie zunächst „mit der Intervention ihres Kollegen fertig werden musste“. Neben ihr saß Innensenator Ehrhart Körting (SPD). Was er ihr ins Ohr geflüstert hatte, ist nicht bekannt. Immerhin konnte Knake-Werner dem FDP-Abgeordneten antworten, dass der Landesbehindertenbeauftragte bei größeren Bauvorhaben immer zu Rate gezogen werde. Und dazu gehöre ja sehr wohl auch der Bau des Großflughafens. Selbstverständlich werde die „Barrierefreiheit“ berücksichtigt.

Die CDU-Abgeordnete Emine Demirbüken-Wegner ist jugend- und familienpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion und rückte nach der letzten Abgeordnetenhauswahl ins Parlament ein. Seitdem ist sie von ihrem Beruf als Integrationsbeauftragte im Bezirk Tempelhof-Schöneberg beurlaubt. Demirbüken-Wegner ist 1995 in die Union eingetreten. Sie hat sich über die übliche „Ochsentour“ in der Partei durchgesetzt und ist mittlerweile Mitglied im CDU-Bundesvorstand. Sie bezeichnet sich selbst als liberal-konservativen Mensch, dem Werte wie Familie oder das sich Einsetzen für Senioren am Herzen liegen. In dieser Woche hatte die CDU-Abgeordnete einen wichtigen Termin, bei dem sie zum Thema Krippenplätze sprechen sollte. In Sorge, dass sie diesen Termin vergessen könnte, rief die Pressestelle der Fraktion bei ihr an und wies sie höflich noch einmal darauf hin. Daraufhin sagte Demirbüken-Wegner ernst: „Wissen Sie, ich bin Muslimin, aber vor allem eine Preußin. Deshalb sind mir Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit sehr, sehr wichtig.“ Bei diesen Worten verstummten die Mitarbeiter: Nicht selten müssen sie „ihre“ Abgeordneten nämlich an Termine erinnern. Sabine Beikler

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