Berlin : HINTER DEN KULISSEN

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Tierliebe verbindet, auch über kulturelle und weltanschauliche Grenzen hinweg. Diese Erfahrung machte Friedbert Pflüger diese Woche in China. Dort ist der CDU-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus zwölf Tage lang in seiner Rolle als Präsidiumsmitglied der Bundes- CDU unterwegs. Bei einer Fachtagung der Konrad-Adenauer-Stiftung zur Europäischen Union sprach Pflüger erst über sein Lieblingsthema, den Umwelt- und Klimaschutz. Dann berichtete er den 200 chinesischen Zuhörern, wie sehr es die Berliner vergangene Woche trotz der Knut-Euphorie bewegt habe, als die Pandabärin Yan Yan starb, die durch die Städtepartnerschaft mit Peking 1995 an Berlin ausgeliehen worden war. Die Chinesen waren gerührt über die große Anteilnahme der Berliner, berichtet Pflüger. Hochrangige Vertreter der Kommunistischen Partei versprachen ihm, seine Anregung „wohlwollend zu prüfen“, ob die Volksrepublik den Berlinern nicht erneut einen Pandabären oder gar ein Pärchen ausleihen mag. Vielleicht schon bei Angela Merkels Staatsbesuch, der die Kanzlerin im August nach China bringen soll, könnte ein entsprechender Vertrag unterzeichnet werden, hofft Pflüger jetzt.

Die Tierfreunde in der SPD-Führung kamen in dieser Woche dank der parlamentarischenOsterpause auf ihre Kosten. Die Fraktionsführung traf sich zum gemeinsamen Zoobesuch – und das nicht nur wegen Knut, wie Fraktionsgeschäftsführer Christian Gaebler sagt. Der kleine Eisbär war zwar offiziellerAufhänger der Führung, die Zoo-Direktor Bernhard Blaszkiewitz den Sozialdemokraten gab. Besonders begeistert waren die Gäste aber von dem übrigen Tiernachwuchs. So schwärmt Gaebler besonders von dem kleinen Elefanten, dem Nashornkalb und dem Affennachwuchs, der dort derzeit zu sehen ist. Im Elefantenfreigehege durften die Politiker die Dickhäuter sogar streicheln, und Gaebler staunte, dass aus deren Rüsseln ständig warme Luft strömt – „wie bei einem Föhn“. Im Nashorngehege hielten es die Gäste allerdings nicht lange aus. Nachdem sie sich dem Nashornjungen genähert hatten, kam die Kuh bedrohlich auf sie zu, und die Sozialdemokraten traten den Rückzug an.

Auf geordneten Rückzug setzte kürzlich auch Martin Lindner . Als der ansonsten nicht konfliktscheue Anwalt und FDP-Fraktionschef beim Joggen auf einem Waldweg um eine Kurve bog, stand da mitten auf dem Pfad eine dicke und „furchtbar böse“ aussehende Wildsau, wie Lindner berichtet. Das Tier wollte partout nicht weichen. Lindner entschied sich spontan, in diesem Fall ausnahmsweise mal auf ein Kräftemessen zu verzichten, und überließ das Feld kampflos der Sau. Vielleicht dachte er dabei auch an das Motto, das er über sein politisches Handeln gestellt hat. „Als Politiker sollte man das Rückgrat haben, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen und auch zu tragen.“ Lars von Törne

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