Berlin : HINTER DEN KULISSEN

Ratzmann reist, Henkel wütet und Czaja liest Satire-Magazine

Mit den Grünen ist es so eine Sache: Mal scheint die Zeit über sie hinwegzugehen, mal sind sie Avantgarde. Zur Zeit sind sie wieder vorne. Jüngst sollte der Grünen-Fraktionschef Volker Ratzmann als Mitglied der Föderalismuskommission nach Hamburg reisen. Am selben Tag hatte auch der Direktor des Abgeordnetenhauses, Peter Blum, dort einen Termin. Weil Ratzmann in vielerlei Hinsicht so etwas wie die Verkörperung der Grünen ist, buchte er selbstverständlich den Zug. Der Abgeordnetenhausdirektor hingegen zog, wie die Grünen-Fraktion kritisch bemerkte, das Auto vor. Ob es das eigene war oder gar ein Abgeordnetenhausdienstflottenfahrzeug, ist nicht überliefert, aber auch unwichtig. Wichtig ist, dass Ratzmann schneller war als Blum und wie die Verkörperung des Igels aus dem Märchen vom Wettlauf zwischen Igel und Hase schon in der Hamburger Bürgerschaft saß, als Blum eintraf. Manchmal passen Politik und Moral zueinander.

Wen interessiert in der Massenmediengesellschaft Moral? Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit brachte den CDU-Generalsekretär

Frank Henkel

, einen gesinnungsfesten Mann, zum Schäumen: Wowereit, der erste Mann der Stadt, versprach, in seiner für den Herbst angekündigten Autobiographie die Veröffentlichung eines tabulosen Fotos. Es soll ihn im Kleinkindalter fast unbekleidet zeigen. Sicher wird Wowereit mit dieser Tat in die Geschichte eingehen. Henkel hingegen erboste sich: „Niemand hat etwas gegen Kindheitsfotos. Es wird aber zum Problem, wenn ,Schniedel’-Geschichten der einzige öffentliche Beitrag eines Regierenden Bürgermeisters sind.“ Dort wird interessiert beobachtet, dass Wowereit im Selbstversuch erprobt, wie weit man die Vermarktung einer Politikerpersönlichkeit treiben kann. In ein paar Jahren kann er mit Rudolf „Badehose“ Scharping fachsimpeln.

Auch in der FDP-Fraktion macht man sich über die Ambitionen des Regierenden Gedanken. Der junge Abgeordnete

Sebastian Czaja

aus Marzahn-Hellersdorf erinnerte sich einer Lesefrucht aus dem Januar. Das Satiremagazin „Titanic“ zeigte auf dem Titel einen untenherum unbekleideten Knaben und titelte: „Schuss mit Amok: Pillerspiele verboten“. Erschreckend, was diese Liberalen so lesen. wvb.

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