Berlin : HINTER DEN KULISSEN

Von politischen Vielfliegern und einem falschen Flughafen

Gut sechs Jahre nach seiner Aufdeckung wirbelt der Berliner Bankenskandal erneut die Landespolitik auf. Diesmal geht es zwar nicht um den Sturz einer Regierung, aber immerhin um die Urlaubsplanung der Abgeordneten. Die gerät durcheinander, weil das Parlament beschlossen hat, unter ein Kapitel des Bankenskandals einen Schlussstrich zu ziehen, indem die Landesbank Berlin verkauft wird – und zwar schnell. Das Geschäft will das Abgeordnetenhaus auf einer Sondersitzung am kommenden Donnerstag absegnen – trotz der jetzt beginnenden Urlaubszeit. Die Folge: Viele Abgeordnete kehren aus ihren Ferienorten nach Berlin zurück. Linksparteichef Klaus Lederer muss seinen Englischkurs auf Malta für einen Tag unterbrechen, Grünen-Politiker Oliver Schruoffeneger wird aus Istanbul eingeflogen, seine Fraktionskollegin Jasenka Villbrandt aus Kroatien und Sandra Scheeres (SPD) aus Italien. Grünen-Fraktionschefin Franziska Eichstädt-Bohlig (Grüne) unterbricht ihren Ostseeurlaub und kommt für den wichtigen Tag aus Rostock mit der Bahn angereist. Andere Politiker änderten kurzfristig ihre Ferienplanung, um bei der wichtigen Abstimmung dabei zu sein. Heidi Kosche von den Grünen fährt nun später in die Eifel, auch Elke Breitenbach (Linke) und Benedikt Lux (Grüne) haben umgebucht. Nicht umplanen muss Friedbert Pflüger. Der CDU-Fraktionschef ist kommende Woche ohnehin in der Stadt: Er heiratet seine Frau Sibylle kirchlich. Dass dies am Freitag, dem 13., passiert, sieht er gelassen: Pflüger ist nicht abergläubisch, sagt sein Sprecher. lvt

Manchmal ist der Wunsch der Vater des Gedankens. So wird es auch dem FDP-Abgeordneten Sebastian Czaja gegangen sein, der sich vor einer Woche darüber amüsierte, dass der SPD-Fraktionsvorstand beim Rückflug aus Brüssel in Tempelhof gelandet sei. Ausgerechnet auf jenem Flughafen, den die SPD – gegen den Protest von CDU und FDP – schließen will. Allerdings saß Czaja, der die interessante Nachricht sogleich verbreitete, einer Fehlinformation auf. Die SPD-Vorständler sind in Tegel gelandet und die sozialdemokratische Parlamentskollegin Jutta Leder hat sich mächtig über den FDP-Mann beschwert. Czaja hat sich sofort, mit schlechtem Gewissen, in einem Brief an Frau Leder entschuldigt und ein Spielzeugflugzeug für die Enkelin beigelegt. „Für ein paar schöne Flugstunden, ungeachtet des Landeplatzes.“ za

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