Berlin : HINTER DEN KULISSEN

Regenbogenfahnen, eine Dienstflagge und ein Kasten Bier fürs gute Klima

Die forsche Bürgermeisterin beugt vor. Am Rathaus in Reinickendorf werde auch im nächsten Jahr keine Regenbogenfahne gehisst, kündigte Marlis Wanjura am Freitag an. Obwohl die Bezirksverordnetenversammlung mit der bunten Mehrheit von SPD, Grünen, FDP und Grauen beschlossen hatte, das Symbol der Schwulen- und Lesbenbewegung zum Christopher Street Day 2008 zu hissen, fühlt sich die CDU-Frau daran nicht gebunden. Reinickendorf ist in Berlin die letzte regenbogenfreie Bastion – und soll es auch bleiben, solange Wanjura die Chefin ist. Schließlich handele es sich bei dem BVV-Beschluss nur um ein Ersuchen, das nicht bindend sei. Und außerdem, sagt die Bürgermeisterin, seien die Reinickendorfer an 365 Tagen im Jahr tolerant, unabhängig von aufgezogenen Fahnen.

Aber man sollte die Bedeutung von Flaggen nicht unterschätzen. Kürzlich hat der Senat eine Reform des Gesetzes über die Hoheitszeichen Berlins beschlossen – und in der Folge muss der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit die Dienstflagge des Senats auf dem Turm des Roten Rathauses einholen. Das unübersehbar große, rot-weiße Tuch mit dem Bären auf einem Schild unter einer fünfblättrigen Laubkrone wird abgeschafft. In Zukunft darf – auch auf dem Rathaus – nur noch die Landesflagge wehen, die in Berlin jeder kennt: der Bär auf weißem Grund, ohne jeden Schnickschnack. Alle anderen Behörden haben schon neu geflaggt.

Als das Parlament in die Sommerferien ging, haben Björn Jotzo, Sebastian Czaja und andere Nachwuchs-Abgeordnete der FDP-Fraktion sich nach der letzten Plenarsitzung in den Fraktionsräumen getroffen, um ein paar Abschiedsbiere zu trinken. Ein Sechserpack blieb übrig und die praktisch veranlagte Sekretärin nutzte das Bundle in den folgenden heißen Tagen als Türstopper. Damit ein frischer Wind hineinwehen konnte. Seitdem fragten Abgeordnete und Mitarbeiter, die zufällig vorbeikamen, ob man sich bedienen dürfe. Aber die Verbesserung des Mikroklimas in der FDP-Fraktion ging vor. Bier ist eben ein vielseitiges Lebensmittel. Ulrich Zawatka-Gerlach

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