Berlin : Hinter der Plane: Charlottenburger Tor

Helmut Caspar

Erbaut von 1906 bis 1909 nach Plänen des Architekten Bernhard Schaede, bildet das im Neobarock gestaltete Charlottenburger Tor das Gegenstück zum klassizistischen Brandenburger Tor. Es war Ausdruck des Selbstbewusstseins der Stadt Charlottenburg, die erst 1920 Berlin zugeschlagen wurde. In ihrer Schriftenreihe „Meisterwerke Berliner Baukunst“ hat die Stiftung Denkmalschutz einen Band über das Charlottenburger Tor herausgegeben, verfasst von Helmut Engel, vormals Landeskonservator, jetzt Geschäftsführer der Stiftung. Diese restauriert derzeit das Tor, das unter der Reklame von Sponsor Samsung nur noch zu erahnen ist.

Mancher originale Schmuck des Tores existiert nicht mehr. Erhalten blieben zwei Königsfiguren. Friedrich I. ist als Gründer von Charlottenburg dargestellt, seine Frau Sophie Charlotte mit dem Modell des nach ihr benannten Schlosses. Die etwas pompösen Bronzeplastiken des Bildhauers Heinrich Baucke müssen ganz dem Geschmack Kaiser Wilhelms II. entsprochen haben, der sich selber als Künstler und Bauherr fühlte und oberste Genehmigungsinstanz für Prunkbauten war.

Engel beschreibt auch die Prachtstraße zwischen Charlottenburger Tor und Berliner Westen. Gebildet aus Bismarckstraße und Kaiserdamm, geht sie in die Heerstraße über, eine vom Kaiser oft genutzte Strecke zum Truppenübungsplatz in der Döberitzer Heide. Unter den Nationalsozialisten wurde sie ausgebaut, was auch fürs Tor Folgen hatte: Für die geplanten Aufmärsche war es zu eng – und wurde auseinander gerückt.

Band 5 der Reihe „Meisterwerke Berliner Baukunst“ (96 Seiten, viele Abbildungen) ist gegen eine Spende in der Geschäftsstelle der Stiftung erhältlich: Frankfurter Tor 1 in 10243 Berlin, Tel. 4201 6780.

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