Berlin : Hinter eisernem Vorhang

Die Baustelle der US-Botschaft ist hoch gesichert. Wer hier arbeitet, wird samt Familie durchleuchtet

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Es ist die sicherste Baustelle der Stadt; so sicher, dass das Thema Sicherheit bei den Bauherrn als Geheimsache gilt. Heute vor einem Jahr wurde der Grundstein für den Neubau der USBotschaft am Pariser Platz gelegt.

Vom ersten Tage an wurde auf dem Gelände mit Hochdruck gearbeitet. Sichtbare Zeichen dafür, dass neben dem Brandenburger Tor etwas ganz Besonderes entsteht, gibt es genug. Da ist – zur Behrenstraße hin – ein etwa drei Meter hoher Maschendrahtzaun, der nun noch durch einen zweiten verstärkt werden soll. Das Gelände zwischen Behren- und Ebertstraße wirkt wie ein Hochsicherheitstrakt. Bei Dunkelheit tauchen zahlreiche Lampen die Baustelle gegenüber dem Holocaust-Mahnmal in ein gleißendes Licht. Eine hohe vergitterte Zaun-Tür trennt den Bau von der Behrenstraße. Wenn Fahrzeuge mit Beton oder Baumaterial aufs Gelände wollen, muss erst ein Wachmann von innen das Tor öffnen. Ist der uniformierte Posten, an dessen Gürtel ein Schlagstock baumelt, gerade nicht da, darf der Fahrer des Kippers warten, bis er eingelassen wird. „Danger! Hard Hat Area“ warnt ein Schild, ein anderes sagt: „Eye Protection Required in this area“. Es gibt grundsätzlich keinen Bauarbeiter ohne orangefarbene Jacke, Eisenflechter, die an der ersten betonierten Wand am Pariser Platz arbeiten, sprechen miteinander in ihrer Landessprache. Drei Drehkräne erheben sich mittlerweile auf dem Bau, dessen Wände im Begriff sind, aus dem Keller hinauszuwachsen. Die Poller zur Straße hin sind komplett in die Erde gerammt – sie reichen auf der Ebertstraße fast bis zum Brandenburger Tor.

Baufirmen, die sich für das Projekt interessieren, müssen sich auf einige Unannehmlichkeiten gefasst machen: Bevor ein Interessent ein Angebot abgeben darf, muss jedes Unternehmen einen Sicherheitscheck der Amerikaner durchlaufen. Firmen berichten, dass bei jedem Vertragsabschluss absolutes Stillschweigen über die baulichen Tätigkeiten in der Botschaft vereinbart wird. Für alle Mitarbeiter, die Zugang auf der Baustelle erhalten, gibt es noch einmal eine zusätzliche Sicherheitsstufe: Lebensläufe werden „durchleuchtet“ und auch die Familie überprüft.

Problembewusstsein dürfte ausreichend vorhanden sein. Ausgerechnet im Kalten Krieg, im Mai 1964, wurden in der US-Botschaft in Moskau Abhöranlagen gefunden. Installiert worden waren sie bei Renovierungsarbeiten – bevor die Botschaft einzog.

Nach Auskunft der Botschaft verlaufen die Bauarbeiten planmäßig, so dass aus heutiger Sicht das Gebäude, wie vorgesehen, 2008 eröffnet werden kann. Welche Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, ist nicht bekannt. Zu Sicherheitsfragen jedweder Art äußert sich die Botschaft grundsätzlich nicht. Lo/kf/Bi

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