Berlin : Hinter sieben Hügeln

Filmreif: Ken-Adam-Schau und „Scherbentanz“-Premiere

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Schülertreffen im GropiusBau, wer hätte das gedacht. Ken Adam und er auf derselben Londoner Lehranstalt – Sir Paul Lever, Britanniens Botschafter, mochte es sich nicht verkneifen, auf seine Nähe als Pennäler zu dem berühmten Production Designer hinzuweisen. Gewiss, ihr Schulbesuch fand zeitversetzt statt, gestand er bei der Eröffnung der Adam-Ausstellung sofort ein, und ohnehin: Viele Politiker und hohe Beamte habe die Schule hervorgebracht, aber mit Adam fast den einzigen, der es bis Hollywood geschafft habe. Der zweite sei nach knapp einem Semester rausgeflogen: Erroll Flynn.

Ein launiger Beginn für eine gelungene Werkschau. Im Gropius-Bau hatte Adam den zentralen Raum für die Millennium-Ausstellung „Sieben Hügel“ entworfen, im Modell ist sein Entwurf präsent. 28 Millionen Mark hat das Jahrtausendwerk gekostet, fiskalisch ein Projekt aus einer versunkenen Zeit, wie der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit anklingen ließ. Die Gäste, darunter Berlinale-Chef Dieter Kosslick und sein Vorgänger Moritz de Hadeln, hatten sich passend zu den kargen Zeiten schon vorher an Salzbrezeln gelabt. Natürlich pries Wowereit die Möglichkeiten der Filmstadt Berlin, bekannte auch, dass er, bei allem Respekt vor den Bond-Filmen Adams, doch eher die „Addams Family“ zu seinen Favoriten zähle. Auch Volker Schlöndorff griff den Filmstadt-Faden auf, lamentierte – „Sie kennen das ja von mir“ – darüber, dass die deutschen Produzenten die hier schlummernden Chancen nicht nutzten. Eine Zusammenarbeit mit Adam sei ihm nie vergönnt gewesen, versucht habe er es bei der „Blechtrommel“. Es scheiterte am Geld: „Think big“, lautete der Tipp Adams, „Geht’s nicht ’ne Nummer kleiner?“ die Erwiderung des Produzenten, erinnerte sich der Regisseur, dessen alter Kinderstar David Bennent ebenfalls gekommen war.

Hier also der Rückblick auf über 50 Jahre Filmgeschichte, während man sich im Filmtheater am Friedrichshain schon zur ihrer Fortschreibung rüstete: Premiere von „Scherbentanz“, dem Erstling von Regisseur Chris Kraus, der auch die Romanvorlage geschrieben hatte. Für ihn ein doppelt besonderer Tag, also war es doppelt ärgerlich, dass er sich, statt zu feiern, mit Fieber ins Bett legen musste. Hauptdarsteller Jürgen Vogel aber war rechtzeitig da, hatte in Köln bei Harald Schmidt gesessen und war nach der Aufzeichnung rasch nach Berlin gedüst, schon erwartet von seinen „Scherbentanz“-Kollegen Nadja Uhl, Peter Davor, Dietrich Hollinderbäumer, Margit Carstensen und Roxanne Borski. Unter den Gästen war der seit langem mit Vogel befreundete Richy Müller gekommen, und auch ein paar Versprengte aus dem Gropius-Bau stellten sich zuverlässig ein: Volker Schlöndorff samt David Bennent. ac

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