HINTERGRUND : In Preußen gejagt, heute Attraktion

Jagd auf

Kraniche

Die Forderung, Kraniche wegen der Schäden an der Saat auf den Äckern abzuschießen, ist nicht neu – sie ist geradezu preußisch. Friedrich Wilhelm I. (1713– 1740) ließ in der Zeit der Kultivierung von Stromtälern und Flussauen Jagd auf Kraniche machen. Am 3. Oktober 1722 erließ der Soldatenkönig das „Edikt, daß jedem erlaubet sein soll, Kraniche zu schießen“. Demnach sei „an unterschiedlichen Orten wahrgenommen worden, dass sich Kraniche einige Zeit her ungemein häutig eingefunden, und dem platten Lande, sonderlich an denen besähten Feldern viel Schaden getan“ Daher verfügte Friedrich Wilhelm I.:

„Kraniche können als schädliche Vögel von einem jeden frei geschossen oder gefangen werden.“

Der Herbstzug

Heute sind Kraniche wahre Publikumslieblinge. Jeden Herbst wiederholt sich ein Naturspektakel, das immer wieder tausende Ausflügler und Schaulustige in ganz Brandenburg fasziniert. Hier liegen einige der größten Rastplätze der Kraniche auf ihrem Herbstzug. Zehntausende Tiere stärken sich in Brandenburg auf dem Weg von Nord- und Osteuropa in die Winterquartiere im Süden. Ihre Rufe klingen wie Trompeten, am Himmel ziehen sie in Keilformation.

Kraniche sehen

Bis Ende Oktober bieten Vogelkundler Wanderungen, Planwagenfahrten, Radtouren oder andere Events an, um die Kraniche zu beobachten. Die meisten Touren werden kostenlos oder gegen Spenden angeboten. Die größten Erfolgsaussichten bietet der Ort Linum bei Kremmen, gut 20 Kilometer nordwestlich Berlins. Nirgendwo sonst fliegen so viele Kraniche wie dort zwischen abgeernteten Getreide- und Maisflächen sowie den nächtlichen Schlafplätzen hin und her. Es sind bis zu 80 000 Tiere an einem einzigen Tag. Weitere Rastplätze findet man an den Flussdeichen an der Oder bei Gartz nahe Schwedt (Uckermark) und in den Elbtalauen bei Lenzen (Prignitz). Auch Wanninchen im früheren Lausitzer Tagebaugebiet bei Luckau, Lehnin westlich von Berlin und der Gülper See bei Pritzen im Westhavelland gehören zu den Kranich-Hochburgen. Bis Mitte November, bei milden Temperaturen bis Anfang Dezember, sind die Vögel zu sehen. axf/ste

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