Hintergrund : Jahrgangsübergreifendes Lernen

SCHRITTWEISE REFORMIERT

Die Grundschulen wurden in den vergangenen Jahren in vieler Hinsicht reformiert. Zu den wichtigsten Neuerungen gehörten die Einführung des Fremdsprachenunterrichts ab Klasse 3, die Verlagerung der Horte an die Schulen und die verlässliche Betreuung bis 13.45 Uhr. Zudem wurde 2005 die Schulpflicht um ein halbes Jahr vorverlegt, während die bis dahin mangels Schulreife möglichen Rückstellungen nahezu abgeschafft wurden. Die beiden letzten Schritte bewirkten, dass die Niveau-Unterschiede zwischen den Erstklässlern noch größer wurden.

INDIVIDUELLER EINSTIEG

Als Konsequenz daraus wurde die flexible Schulanfangsphase konzipiert. Sie bedeutet, dass Kinder je nach Lernstand und Reife das Programm der ersten beiden Klassen wahlweise in ein, zwei oder drei Jahren absolvieren können. Deshalb wurde beschlossen, die ersten und zweiten Klassen zu mischen. Schnelle Kinder können Dank der Jahrgangsmischung von Anfang an den Stoff der zweiten Klasse behandeln. Wem die zwei Jahre aber nicht reichen, der kann ein drittes Jahr in der flexiblen Anfangsphase bleiben, ohne dass dies als „Sitzenbleiben“ gilt.

MUTIGE VORREITER

Die Jahrgangsmischung auch „jahrgangsübergreifendes Lernen“ (JüL) genannt, ist keine neue Erfindung. Schon Schulreformer zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts wie Peter Petersen hielten die starre Aufteilung der Kinder in Jahrgangsklassen für falsch. An ihm orientieren sich Schulen, die nicht nur die ersten zwei Jahrgänge mischen, sondern sogar die Klassen 1 bis 3 und 4 bis 6. Die ersten Berliner Schulen besannen sich Anfang der neunziger Jahre auf diese Tradition, allen voran die Kreuzberger Clara-Grunwald- und die Neuköllner Peter-Petersen-Schule.

SCHULVERSUCH SEIT 1992

Die Bildungsverwaltung unterstützte die reformbegeisterten Lehrer seit 1992, indem sie Schulversuche finanzierte. Die Teilnehmerzahl vergrößerte sich 1999 auf acht und 2002 auf 15 Schulen. 2004 wurde dann mit dem Schulgesetz festgelegt, dass die Jahrgangsstufen 1 und 2 spätestens ab 2006/07 als „pädagogische Einheit“ behandelt werden sollten. Die Lehrer- und Eltern-Widerstände führten dann dazu, dass die Frist verlängert wurde. Deshalb machten 2006/07 nur 72 von 379 öffentlichen Grundschulen mit, 2007 waren es 176, 2008 sind es 265. sve

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