Berlin : Hinterm Aktenberg geht’s weiter Wieland will in den grünen Landesvorstand

Sabine Beikler

Wieland? Künast? Was, beide hier? Elke Werner kennt seit Jahren diese Fragen. Und seit Jahren antwortete die Mitarbeiterin in der Anwaltskanzlei in Charlottenburg: Nein, leider, weder Herr Wieland noch Frau Künast würden neue Mandate übernehmen. Seit kurzem kann Frau Werner mit einer neuen Nachricht dienen: Der 56-jährige Jurist ist wieder an seinen Kanzlei-Schreibtisch zurückgekehrt, arbeitet nach seiner Wahlniederlage als grüner Spitzenkandidat in Brandenburg wieder als Anwalt.

Aber was macht das grüne Berliner Urgestein ohne Politik? „Das ist ganz schön gewöhnungsbedürftig, nicht mehr von der Politik abhängig zu sein“, sagt Wolfgang Wieland, grinst und fügt schnell hinzu: „Ich würde gern im erweiterten Landesvorstand arbeiten.“ Wieland wird Ende Februar bei den Vorstandswahlen kandidieren – „aber nicht als Landesvorsitzender“, betont er. „So viel Hü und Hott zwischen Politik und Beruf verträgt mein Büro nicht.“

Wolfgang Wieland sucht immer wieder neue Herausforderungen. Nach langen Jahren der Opposition, als Rechts- und Innenexperte, Fraktionsvorsitzender, einem kurzen Intermezzo vor drei Jahren als grüner Justizsenator hatte er im Mai sein Mandat im Berliner Abgeordnetenhaus abgelegt und sich mit Spaß in den Brandenburger Wahlkampf gestürzt. Dass das Ergebnis für die Grünen bei den Brandenburg-Wahlen mit 3,6 Prozent doch recht mager ausfiel, habe ihn schon traurig gestimmt.

Als überzeugter Verfechter einer Länderfusion Berlin-Brandenburg will er jetzt die beiden grünen Landesverbände stärker zusammenbringen. Natürlich denkt Wieland auch schon ans Wahljahr 2006, sinniert über die strategische Positionierung seiner Partei und darüber, wie die Grünen als Metropolenpartei in den nächsten Jahren ihren „grünen Eigenwert“ steigern könnten, zum Beispiel indem sie die Sozialpolitik stärker als bisher mit grünen Inhalten vertreten.

Vor drei Jahren hat Wieland eigene Parteifreunde mit Gedankenspielen über Schwarz-Grün vor den Kopf gestoßen. Heute ist er da vorsichtig, sagt, die „Bedingungen“ müssten erst stimmen. Die Unterschiede in Kernpunkten grüner Politik wie Ausländer-, Innen- und Umweltpolitik seien viel zu groß, als dass man realistisch über ein schwarz-grünes Modell sprechen könnte. Mit einem Sprung in die Bundespolitik hat Wieland immer wieder geliebäugelt. Fest legt er sich heute aber nicht. „Ich schließe das nicht aus“, sagt Wieland, dann wechselt er schnell das Thema.

Erst einmal arbeitet Wieland weiter in seiner Charlottenburger Kanzlei, die er 1975 mit seinem Studienfreund Hajo Ehrig eröffnet hat. 1982 kam dann Renate Künast hinzu, erst als Referendarin, später als Angestellte. Wieland kümmert sich ums Zivilrecht, Strafrecht oder öffentliches Recht. Zurzeit behandelt er „interessante Schadensersatzklagen“. Und bevor er etwas Neues anfängt, müssen diese Aktenberge vom Tisch.

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