Berlin : Hinterm Bahnhof tut sich was

Jetzt wird im nördlichen Teil der Friedrichstraße gebaut: Uni-Bibliothek erhält neues Haus, Metropol-Theater wird saniert, Büro- und Hotel-Komplex entsteht

Matthias Oloew

Die erste Runde ist durch. Das Preisgericht hat alle 279 Arbeiten gesehen und begutachtet – zwei Tage lang. Doch eine Entscheidung gibt es nicht, welcher Entwurf für den Bibliotheks-Neubau der Humboldt-Universität umgesetzt wird. Die Entscheidung fällt voraussichtlich im September. Dann hat die Jury mit Senatsbaudirektor Hans Stimmann und den Architekten Axel Oestreich, Manfred Ortner, Christoph Siegler und Volker Staab den besten Entwurf gefunden. 170000 Euro stehen für Preisgelder und Ankäufe bereit. 75 Millionen Euro darf der Neubau an der Geschwister-Scholl-Straße in Mitte kosten. Die Hälfte davon zahlt der Bund, der sich in dieser Höhe an dem Projekt beteiligt, weil die Universitätsbibliothek dort ausziehen muss, wo sie den größten Teil ihrer Bestände untergebracht hat – im Gebäude der Staatsbibliothek Unter den Linden. Doch die Stabi wird selbst saniert und soll in ihrem Bau wieder alleiniger Nutzer werden. 2007 soll der Neubau für die Universitäts-Bibliothek fertig sein.

Dies ist nicht die einzige Baugrube, die nördlich des Stadtbahnviadukts ausgehoben wird. Noch in diesem Jahr soll mit der Sanierung des Metropol-Theaters begonnen werden. Auch der Büro- und Hotelkomplex der Canyons am Berliner Ensemble könnte in diesem Jahr begonnen werden. Doch noch schwelt ein Rechtsstreit zwischen dem Investor, den Deutschen Immobilien aus Hamburg, und einem Nachbarn. „Wir fangen erst an, wenn wir hundertprozentige Rechtssicherheit haben“, sagt Projektentwickler Jan Reppin.

Auf der anderen Seite der Spree steht nach langem Gezänk zwischen Bauherr und Senat nun aber eine weitere Baugrube kurz davor, ausgehoben zu werden. Am Tränenpalast soll Anfang 2005 mit dem Bau des so genannten Spreedreiecks begonnen werden. Bauherr Harm Müller- Spreer hat mit diesem Projekt eine Odyssee durch unterschiedliche Amtsstuben in Berlin hinter sich. Zunächst wollte er an dieser Stelle, für die Mies van der Rohe vor dem Krieg seinen berühmten, aber nie gebauten Friedrichstraßen-Wolkenkratzer zeichnete, ein Hochhaus errichten. Doch damit konnte er sich beim Senat nicht durchsetzen. Dann verkaufte ihm Berlin einen Teil des Grundstücks, das ihm gar nicht gehörte. Der Verkauf musste rückgängig gemacht und ein Ausgleich wurde ausgehandelt. Noch in diesem Monat, hofft Müller-Spreer, befasst sich das Abgeordnetenhaus mit dem Fall. Für das im Grundriss dreieckige Haus hat der Bauherr nach eigenen Angaben schon einen Mieter. Namen nennt er allerdings nicht. Es entsteht ein Wohn- und Geschäftshaus.

Müller-Spreer ist in Mitte kein Unbekannter. Er kaufte und sanierte das Haus nahe dem Hackeschen Markt, in dem heute das Restaurant Schwarzenraben untergebracht ist. In dessen Nachbarschaft baute er den Bürokomplex, in dem die Hauptstadtrepräsentanz des Softwareriesen SAP eingezogen ist. Und er sanierte mit dem Büro von David Chipperfield das ehemalige Friedrichgymnasium am Oranienburger Tor, in dem jetzt der Ullstein- Verlag residiert.

Für dieses Projekt heimste er viel Lob von Denkmalschützern ein, denn so konnte das aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammende Gebäude an der nördlichen Friedrichstraße erhalten werden. Dort hatte Müller-Spreer zunächst die Schulungszentrale von SAP unterbringen wollen. Doch die Software-Entwickler wollten lieber alles unter einem Dach haben und zogen in den größeren Neubau am Hackeschen Markt. Einen anderen Mieter zu finden, war nach Müller- Spreers Angaben trotz des großen Leerstands in Berlin kein Problem: „Für Häuser, die keine gesichtslosen Neubauten sind, finden sich immer Interessenten.“

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