Hip Hop : Krass kostenlos

Bushido plant ein Gratiskonzert für seine Fans in der neuen Arena am Ostbahnhof. Aber nicht alle Hip-Hopper sind dort willkommen.

Sebastian Leber
Bushido
Rapper Bushido Früher dealte Bushido mit Drogen, das Startkapital gab ihm seine Mutter.

Das ist verdammt nett für einen, der sein Geld damit verdient, dass er immerzu böse tut: Bushido, 29, Deutschlands bekanntester Rüpel-Rapper, gibt am 15. Oktober ein Gratiskonzert in der neuen O2-World. Während andere Künstler wie Alicia Keys, Elton John oder Udo Jürgens, die in den kommenden Monaten ebenfalls dort auftreten werden, sogar für einen Platz auf den hintersten Rängen mindestens 50 Euro verlangen, singt Bushido ausnahmsweise umsonst. Für seine Fans, sagt er, denn die hätten in den vergangenen Jahren „immer zu mir gehalten, auch in schweren Zeiten“.

Wer zu dem Gratiskonzert nicht eingeladen ist, dürfte auch klar sein: Im Internet kursiert gerade ein Video, in dem Bushido zehn Minuten lang über andere Berliner Rapper herzieht. Am meisten über seinen Lieblingsfeind Sido, den Maskenmann. Dem rät er, doch bitte dringend das Musikmachen einzustellen.

Außerdem lästert Bushido über alle Hip-Hopper, die ins Fitness-Studio gehen, um ihre Muskeln zu stählen: Konkurrent Fler etwa verbringe viel Zeit bei McFit in Tempelhof, und Bass Sultan Hengzt trainiere so viel, dass er inzwischen seinem eigenen Kampfhund ähnele. Das kann man natürlich gemein finden, aber die Bemerkung hat eine Vorgeschichte: Bass Sultan Hengzt hat Bushido einst in einem Song „Student“ genannt, das gilt in Gangster-Rapper-Kreisen als besonders üble, wenn nicht gar unverzeihliche Beschimpfung.

Wahrscheinlich wird Bushido bald nachlegen. Am 8. September erscheint seine 300-seitige Biografie, laut Verleger wird Bushido in dem Buch seinen „Aufstieg vom Kleinkriminellen zum bekanntesten deutschen Rapper aller Zeiten“ erklären. Und verraten, was an den Gerüchten dran ist, er stehe in Kontakt zur Mafia. Was definitiv wahr ist: Bevor Bushido Rapkarriere machte, bewarb er sich bei der Berliner Polizei um eine Stelle. Doch es blieb bei einem Vorstellungsgespräch – warum, steht angeblich auch in dem Buch. Bushidos Konzert in der O2-World ist gleichzeitig Auftakt für eine ausgedehnte Deutschlandtournee, innerhalb von 30 Tagen will er 27 Konzerte absolvieren. Für die müssen Fans natürlich ganz normal zahlen. Hätte Bushido nicht so einen vollen Terminkalender, könnte er sich in Berlin einen Vortrag anhören, der geradezu maßgeschneidert für ihn klingt. Vier Tage nach Bushidos Gratiskonzert ist nämlich der Dalai Lama in der O2-World zu Gast. Der will verraten, wie man durch Mitgefühl und Gewaltlosigkeit sein persönliches Glück findet. Sebastian Leber

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