Berlin : Hippies im Trend

Wolfgang Bocksch glaubt an die Aktualität des Musical-Klassikers und bringt „Hair“ nach Berlin

Tanja Buntrock

Der Song passt zum Sommer. „Let the sun shine in“ schmetterten die 22 Künstler am Montagmorgen in einem der Vorräume des Schiller-Theaters. Sie geben eine Kostprobe von dem, was am 26. Juni bei der Premiere des Musicals „Hair“ zu hören und sehen sein wird: Friede, Blumen, Freiheit, Glück…

Produzent Wolfgang Bocksch bringt das Hippie-Musical, das 1968 in New York erstmals aufgeführt wurde, wieder nach Deutschland. Dafür hat er den Regisseur David Gilmore engagiert, und möchte mit dieser Produktion eine Brücke schlagen zwischen 1968 und heute. Und wie lässt sich das wohl am besten machen? Natürlich, ganz zeitgemäß, mit einer riesigen Videoleinwand im Hintergrund der Bühne, auf der dokumentarische Aufnahmen von damals bis heute gezeigt werden: Napalm-Bombardements in Vietnam, das Bed-In von Ex-Beatle John Lennon und seiner Frau Yoko Ono, Straßenschlachten zwischen Demonstranten und der Polizei, aber auch das Attentat auf das World Trade Center sowie Krawalle zwischen Globalisierungsgegnern und Sicherheitskräften in Seattle und Genua.

„Die Zeit ist wieder reif für ,Hair’“, sagt Bocksch. Und weil er davon überzeugt ist, hat er diesen Satz auch auf die poppigen Plakate drucken lassen. Bocksch: „Die junge Generation steht heute vor den gleichen elementaren Fragen wie wir damals. Und sie trägt ihre Meinung auf die Straße.“ Dem Produzenten kommen dabei vor allem die gegen den Irak-Krieg protestierenden Bürger – Familien mit Kinder, Jugendliche, Studenten ebenso wie Rentner – in den Sinn.

Und dann ist da noch die Musik: Der Klassiker „Aquarius“ klingt einem noch lange nach der kleinen Voraufführung in den Ohren. Das Ensemble hat Bocksch im Frühjahr in Los Angeles und New York ausgewählt. Alle der 22 Akteure sind unter 30 Jahre alt, die meisten von ihnen haben schon vor Jahren am New Yorker Broadway ihre ersten Bühnenerfahrungen gesammelt. Denn eines ist Wolfgang Bocksch, der seit fast 30 Jahren im Geschäft ist, heilig: Nur wo Broadway draufsteht, ist auch Broadway drin. Ein New Yorker Musical etwa mit deutschen Texten wäre für ihn undenkbar.

Bocksch will nun mit jedem Verkauf einer Eintrittskarte einen guten Zweck fördern: Ein Euro pro Ticket geht an den Verein „Lebenshilfe“. Schauspielerin Suzanne von Borsody setzt sich seit Jahren für die „Lebenshilfe“ ein und erklärt deren Aufgabe. „Behinderten Menschen und ihren Familie soll das Leben erleichtert werden.“ Die Schauspielerin ist gespannt auf die Premiere: Schließlich hat sie den Vergleich: Sie hat die Münchner Premieren-Aufführung 1968 gesehen: damals ein Skandal.

Ab 26. Juni im Schiller-Theater, Bismarckstraße. Kartentelefon: (0180) 2489842

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