Berlin : Hippokrates an der Spree

2011 wurden mehr ausländische Ärzte zugelassen – darunter viele Griechen Senator Czaja will Impfkampagne in gutbürgerlichen Bezirken starten.

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Foto: dapd
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Trotz Sommerferien und Sitzungspause im Abgeordnetenhaus ist er seit Wochen unterwegs. Während sich seine Kabinettskollegen eine Auszeit gönnen, zieht Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) während der Sommerpause immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich – so forderte er mehr Strenge beim Alkoholverkauf und einen liberalen Umgang mit Baby-Klappen. Am Mittwoch stellte der mit 36 Jahren jüngste Senator den Bericht des Landesamtes für Gesundheit und Soziales für 2011 vor und verkündete, dass deutlich mehr ausländische Ärzte ihre Approbation in Berlin bekommen haben. Einen Trend, von dem Experten sagen, er könnte zugunsten Berlins anhalten. Erst vor wenigen Tagen hatte Czaja darauf hingewiesen, dass es in weniger wohlhabenden Kiezen an Fachärzten mangelt.

Das könnte sich ändern: Hatten 2010 noch 104 Mediziner aus dem Ausland eine Zulassung bekommen, waren es 2011 schon 154. Die meisten stammen aus Osteuropa und den Krisenländern am Mittelmeer – vor allem Griechenland. Hinzu kommen rund 150 Ärzte, die sich in Berlin weiterbilden und so lange in den Kliniken angestellt sind. Czaja war kürzlich in Moskau, im September soll eine russische Delegation nach Berlin kommen. „Aber auch mit Saudi-Arabien läuft die Zusammenarbeit gut“, sagte Czaja. Um dem Fachärztemangel zu begegnen, hatten sich allerdings schon seine Vorgängerinnen, die Senatorinnen Katrin Lompscher und Heidi Knake-Werner (beide Linke), für eine Änderung der Approbationsregeln eingesetzt.

Um vermeidbare Infektionen wirksamer zu bekämpfen, kündigte Czaja außerdem eine Kampagne für Impfschutz an. Dabei gelten weder Neukölln, Wedding oder Hellersdorf als Problemkieze sondern Reinickendorf und Zehlendorf. Die mangelnde Impfbereitschaft „in bildungsnahen Familien“ im Westen der Stadt mute wie ein Wohlstandsproblem an, sagte Czaja. Die Impfbereitschaft bei Menschen mit Migrationshintergrund sei hingegen deutlich größer. Das liege unter anderem daran, dass in den muslimischen Gemeinden, etwa durch Imame, für Impfungen geworben werde. Czaja warnte vor der „ausgesprochen hohen Ansteckungsgefahr“ bei Masern. In Berlin lag die Zahl der Masernerkrankungen 2011 mit 160 auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren. Hannes Heine

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