Historische Flugzeuge : Tante Ju bald wieder über Berlin - vor fünf Jahren

Vor fünf Jahren galten trotz des Rosinenbomber-Unfalls alte Flugzeuge als sicher. In Schönefeld sollte Mitte Juli wieder die Ju 52 der Lufthansa zu Rundflügen starten. Was Andreas Conrad damals schrieb.

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Alte Zeiten. „Tante Ju“ in Tempelhof. ddp
Alte Zeiten. „Tante Ju“ in Tempelhof. ddpFoto: ddp

Am 15. Juli wird nach wochenlanger Pause über Berlin wieder das Dröhnen schwerer Kolbenmotoren zu hören sein. Dann startet in Schönefeld die Ju 52 der Deutschen Lufthansa Berlin-Stiftung zu einem 30-minütigen, längst ausgebuchten Rundflug, dem ersten von neun in drei Tagen. Die Maschine gab hier schon oft solche Gastspiele, und sie hat dem vorerst flügellahmen Rosinenbomber eines voraus: Gebaut 1936 in Dessau, ist sie acht Jahre älter als die DC-3 des Air Service Berlin.

Technisch gilt solch hohes Alter als unproblematisch. Die 1984 von der Stiftung erworbene Maschine sei damals komplett auseinandergenommen und restauriert worden, sagt Flugbetriebsleiter Georg Kohne. Alle 60 Flugstunden komme sie für drei Tage in die Flugwerft, und im flugfreien Winter werde sie gründlich überholt: Unter anderem nehme man die Flügel ab, untersuche ihre Struktur auf Risse, baue auch die Motoren aus. Ersatzteile seien kein Problem, grundüberholte, damit praktisch neue Triebwerke könne man noch heute kaufen. Fünf Mechaniker kümmern sich nur um die „Tante Ju“ und die beiden anderen Traditionsflugzeuge der Stiftung, eine Messerschmitt Me-108 und eine Dornier Do-27.

Auch Heiko Triesch, Luftfahrthistoriker beim Technikmuseum, lässt sich durch die Bruchlandung nicht im Vertrauen zu altem Fluggerät beirren. Man kontrolliere es weit schärfer als ein Auto, dennoch könne eine Motorpanne schon mal vorkommen, beim Start sei das eben kritisch. Und die Ersatzteilversorgung gerade bei einer DC-3 sei kein Problem – eine Einschätzung, die Josef Koch, Chef des „Fliegenden Museums“ im sächsischen Großenhain, teilt.

Zu dessen Luftflotte gehört eine Antonov An-2 von 1952, ein Typ, den man auch über dem Großraum Berlin gelegentlich sieht. Der Doppeldecker mit geschlossener Kabine für zehn Passagiere wurde von 1947 bis 1992 gebaut, je eine Maschine steht auf den Flugplätzen Strausberg und Reinsdorf für Rundflüge Richtung Berlin bereit. Zudem verfügt ein Fallschirmspringerklub in Fürstenberg über eine Dornier Do-27, gebaut bis 1965 und bekannt von Bernhard Grzimeks Serengeti-Flug. Eine lebendige Oldtimer-Szene aber gibt es, anders als bei Autos, in Berlin und Brandenburg nicht, das finanzielle Risiko sei in Deutschland durch viele Auflagen zu hoch, klagt Thomas Kärger, Vorsitzender des Pilot Controller Clubs.

Bis zu 150 alte Flugzeuge gebe es in Deutschland, vermutet Technikhistoriker Triesch. Meist sind das kleine Privatmaschinen. Mit ihnen ist über Berlins Mitte nicht zu rechnen: Über dem Regierungsviertel gilt für sie Flugverbot. Zugelassene Luftfahrtunternehmen sind von der Beschränkung befreit, ihre Maschinen, sei es bei Sicht- oder Instrumentenflug, dürfen auch über die Innenstadt – wie die „Tante Ju“ oder bis zur Bruchlandung der Rosinenbomber. Andreas Conrad

Der Beitrag erscheint in unserer Rubrik "Vor fünf Jahren".

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