Historische Laternen : Der Letzte macht das Gaslicht aus

Die Elektrifizierung von Berlins historischen Gaslaternen kommt schnell voran. Doch nun gibt es neuen Streit um die Verkabelung von 30.000 Gasaufsatzleuchten.

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Im Senat löst die Nachricht Freude aus, doch Freunde der Gaslaternen nehmen sie mit Bitterkeit zur Kenntnis: Es geht schneller als erwartet voran mit der Umrüstung der sogenannten Gasreihenleuchten auf Elektrobetrieb. In Berlin stehen rund 8000 dieser Lampen aus den 50er Jahren meist an den Rändern von Haupt- und Durchgangsstraßen. Man erkennt sie an ihren langen Peitschenmasten. Spätestens bis 2017 sollen all diese Leuchten nicht mehr mit Gas, sondern mit Leuchtstoffröhren betrieben werden. Nun zeichnet sich ab, dass dies schon ein ganzes Jahr früher der Fall sein könnte. Entsprechend rascher wird danach die zweite Etappe des Abschieds vom Gas beginnen: die Umrüstung der historischen Gasaufsatzleuchten in vielen Nebenstraßen.

„Schon etwa 3000 Reihenleuchten sind modernisiert“, heißt es bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Dank des schönen Sommers habe das besser geklappt als erwartet. In Steglitz-Zehlendorf ist die Beleuchtung an Peitschenmasten in fast allen Hauptstraßen bereits ausgewechselt. Bis zum Jahresende soll es „mit Hochdruck“ in Reinickendorf, Spandau und Charlottenburg-Wilmersdorf weitergehen. Der Verein „Gaslicht-Kultur“ trauert unterdessen um jede verlorene Gasleuchte und deren warmes Licht. Die Freunde der bisherigen Leuchttechnik kritisieren, dass die neuen Leuchtstoffröhren ein „kaltes Licht“ verbreiten.

Dies streitet der zuständige Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) keineswegs ab. Er hält aber dagegen, kühles Licht sei heller, erhöhe die Sicherheit. Autofahrer hätten eine bessere Sicht. Außerdem argumentiert er mit Umweltschutz- und Kostengründen. So seien die bisherigen Gasreihenleuchten „Energieschleudern“. Zusammen verbrauchten sie 48,7 Gigawattstunden Energie pro Jahr, Elektroleuchten in gleicher Zahl benötigten nur 1,4 Gigawattstunden. Der Kohlendioxidausstoß aller Lampen verringere sich pro Jahr um 9200 Tonnen, die jährlichen Energiekosten pro Lampe würden von 460 auf 44 Euro sinken. Die Gaslichtfreunde überzeugt das nicht. Sie argumentieren, es sei falsch, „einen schützenswerten geschichtlichen Schatz“ nur unter Kosten- und Energiegesichtspunkten zu betrachten.

Verhindern können sie die Umrüstung wohl nicht mehr. Umso stärker formiert sich nun der Protest gegen das zweite Modernisierungsprojekt: die geplante Verkabelung der mehr als 30 000 Gasaufsatzleuchten. An diesen entflammt das Kiezgefühl besonders heftig, weil sie mit ihren eisernen Bündelpfeilermasten, den Laternenhauben und Leuchtglocken zum alten Stadtbild gehören.

Bei der Auseinandersetzung um die Aufsatzleuchten wird es aber fast nur noch um die Frage gehen, ob Gasbeleuchtung per se ein schützenswertes Kulturgut ist. Für einen Streit ums Äußere oder um die Lichtqualität gibt es kaum Anlass. Der Senat will die Masten original erhalten. Und es sollen keine Leuchtstoffröhren wie bei den Peitschenmasten eingebaut werden, sondern spezielle LED-Leuchten. An der Falckensteinstraße in Kreuzberg hat man probeweise schon auf einer Seite Laternen auf LED umgerüstet. Sie verströmen ein weiches, warmes Licht, wie man es von Gas gewohnt ist.

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