Historische Mitte : Ein weites Feld für Visionen

24.05.2009 00:00 UhrVon Udo Badelt
Historische Mitte Foto: Dom Publishers
Visionen gefragt. Wie sollte Berlins historische Mitte aussehen? Für das Grundstück zwischen Fernsehturm und Spreeufer gibt es verschiedene Vorschläge. - Foto: Dom Publishers

Berlins Mitte soll zusammenrücken. Ex-Senatsbaudirektor Hans Stimmann begibt sich auf Spurensuche – und zeigt Altes im neuen Gewand.

Wer heute nach Berlin kommt, sucht ein Zentrum und findet keines. Meistens bescheidet man sich dann mit der Feststellung, dass Berlin eben viele Zentren habe. Das stimmt aber nicht, auch hier gab es einen eindeutigen historischen Kern, eine Altstadt. Sie lag dort, wo sich die riesige Leere zwischen Fernsehturm und Spreeufer ausbreitet, und ist, so scheint es, gründlich vergessen.

Einer, der sich damit nicht abfinden will, ist der frühere Senatsbaudirektor Hans Stimmann. Er hat ein neues Buch vorgelegt mit dem Titel: „Berliner Altstadt – Von der DDR-Staatsmitte zur Stadtmitte“, in dem er die These aufstellt, dass die DDR das Zentrum zweifach verstaatlicht hat: pragmatisch, durch Enteignung der Grundstücke, und ideologisch, indem sie den Raum, der jahrhundertelang von bürgerlich-städtischem Leben geprägt war, durch den Staat und seine Bauten besetzte.

Im zweiten Teil des Buches hat der Architekt Bernd Albers, der mit Stimmann schon beim „Planwerk Innenstadt“ zusammenarbeitete, Pläne und Zeichnungen ausgearbeitet, die zeigen, wie eine Rückkehr zur traditionellen Stadt, wie sie sich bis zum Zweiten Weltkrieg präsentierte, auf Grundlage der historischen Parzellenstruktur aussehen könnte.

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    Die Öde dort, wo ehemals die historische Mitte lag, bietet ein weites Feld für Visionen. Bürgerlich? Repräsentativ? Wie soll Berlins Mitte aussehen?
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    Die Historische Mitte als Modell aus der Vogelsperspektive.
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    Buchautor Hans Stimmann will von der Öde in der historischen Mitte zurück zur bürgerlich-lebendingen Stadt mit Plätzen und kleine Straßen.


Demnach wird das Gebiet wieder kleinteilig bebaut, historische Straßen wie die Heilig-Geist-Straße oder die Bischofstraße entstehen neu. So bekommt die östliche Fassade des geplanten Schlosses eine städtische Entsprechung auf der anderen Spreeseite. Das von Stimmann gern als „belanglose Grünanlage“ bezeichnete Marx-Engels-Forum würde als schmalerer Platz erhalten bleiben, das Denkmal von Marx und Engels gedreht, so dass die beiden Denker nach Westen blicken.

Das Rote Rathaus, das zurzeit isoliert steht und die Grunerstraße im Rücken hat, wird wieder eingebunden in einen städtischen Zusammenhang. Vor der Hauptfassade wird ein neuer, nach der frühromantischen Autorin Henriette Herz benannter Platz angelegt. Die Marienkirche, einst von Bebauung umgeben, erhält auf der Südseite wieder eine Fassung, vor ihrem Portal soll der Neue Markt wiedererstehen. Die Treppen und wehrhaften Betonzacken zu Füßen des Fernsehturms weichen neuen Häusern.

Keiner der Vorschläge hat indes derzeit eine realistische Grundlage, verwirklicht zu werden. Das Land scheut sich vor Restitutionsansprüchen von Alteigentümern.Für Stimmanns Nachfolgerin Regula Lüscher passen barocke Stadtstrukturen nicht an diese Stelle, sie sähe hier lieber den Neubau der Zentral- und Landesbibliothek. Die in Stimmanns Buch geschilderten städtebaulichen Fantasien sollen der Diskussion über die Berliner Altstadt neuen Stoff liefern. Mit Bildern von dem, was war, und von dem, was wieder werden könnte. Das Buch erscheint am 26. Juni im Dom Publishers Verlag. 

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