Historische Orte : Kampf um die besten Plätze

Immer wieder streiten Bezirke und Landesregierung über private Veranstaltungen an zentralen Orten. Ein Pro & Contra.

Sandra Dassler
298486_3_xio-fcmsimage-20090905175822-006000-4aa28a9ea73de.heprodimagesfotos8312009090614890097.jpg Foto: ddp
Klamauk am Tor. Der britische Komiker Sacha Baron Cohen warb am Pariser Platz für seinen Film "Brüno". Auch andere Veranstaltungen...Foto: ddp

Tagesspiegel-Autor Peter von Becker hat – wie ein Blick auf unsere heutige Leserbriefseite beweist – mit seinem Protest gegen die Verhunzung öffentlicher Plätze durch Billigbühnen, Grillbuden und Dixi-Klos offenbar vielen Berlinern und Touristen aus der Seele gesprochen.

Die Kritik, dass Berlin seine schönsten und bedeutendsten Plätze bedenkenlos für kommerzielle beziehungsweise jegliche mehr oder minder sinnvolle Veranstaltungen zur Verfügung stelle, ist indes nicht neu – ebenso wenig wie die Bemühungen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, selbst über solche Veranstaltungen zu entscheiden. „Wir könnten uns da auch andere Zuständigkeiten als bisher vorstellen“, gibt Manuela Damianakis, die Sprecherin von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) unumwunden zu.

Kein Wunder! Ihr Haus hatte schon vor einigen Jahren ganz konkrete Vorstellungen entwickelt, um den Bezirken Mitte und Charlottenburg die Entscheidungsgewalt über die Nutzung zentraler Plätze zu entziehen. Das Vorhaben, das vom gesamten Senat unterstützt wurde, scheiterte allerdings schon im Vorfeld am massiven Widerstand im Abgeordnetenhaus.

Vertreter aus den Bezirken befürchteten nicht nur Verlust von Macht und Einflussnahme, sondern auch, dass man sozusagen den Bock zum Gärtner machen würde. „Wenn es nach einzelnen Senatsverwaltungen ginge, würde doch andauernd etwas in Mitte stattfinden“, sagt Mittes Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD): „Die Vorstellung, dass alles besser wird, wenn der Senat entscheidet, ist deshalb absurd.“

Hankes Vorgänger Joachim Zeller (CDU), der bis Oktober 2006 Bürgermeister in Mitte war, hat Ähnliches erlebt: „Ich habe mich auch damals schon gegen Einflussnahme, beispielsweise des damaligen Stadtentwicklungssenators Peter Strieder, wehren müssen“, sagt er.

Der Baustadtrat von Mitte, Ephraim Gothe (SPD), beklagt, dass viele Begehrlichkeiten für Veranstaltungen direkt aus den einzelnen Senatsverwaltungen kommen – manchmal sogar mehrere gleichzeitig für den selben Tag am selben Ort.

Und nicht selten werde Druck ausgeübt, wenn der Bezirk bestimmte Veranstaltungen ablehne, sagt Gothe. Auch deshalb habe man ja – übrigens gemeinsam mit dem Senat – einen Katalog mit Kriterien dafür entwickelt, wann an den prominenten Orten in Mitte wie am Potsdamer Platz, Unter den Linden, am Pariser Platz oder am Bebelplatz Sondernutzungsgenehmigungen erteilt werden dürfen.

Der im Juli der Öffentlichkeit vorgestellte Katalog habe sich bewährt, sagt der Baustadtrat. So sei beispielsweise ein „hochkarätiges“ Poloturnier auf dem Bebelplatz abgelehnt worden: „Wir fanden es dort einfach nicht angemessen – ganz abgesehen davon, dass wir eine große Fläche mit Sand für die Pferde hätten aufschütten müssen.“

Auch ein Autohersteller, der den Bebelplatz als Kulisse für eine Präsentation nutzen wollte, erhielt eine Absage vom Bezirk. Nicht genehmigt wurde außerdem eine Werbeaktion für ein Parfüm, bei der man den Pariser Platz in ein rotes Kunstblumen-Meer verwandelt hätte.

Senatssprecher Richard Meng ist der Ansicht, dass Senat und Bezirk trotz der gelegentlichen Reibereien, beispielsweise um die Modemesse Fashion Week am Bebelplatz, „im Grunde dieselben Maßstäbe anlegen“. Deshalb gibt es, so Meng, „momentan auch keinen neuen Vorstoß vom Senat, um den Bezirken die Entscheidung über ihre Plätze abzunehmen“. Mittes Bürgermeister Christian Hanke ist dennoch der Ansicht, dass es bei der Nutzung öffentlicher Plätze in Berlin nie eine Patentlösung geben wird. „Das bleibt eine immer wieder zu führende Diskussion“, sagt Hanke.

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