Historischer Bildband zum Berliner Stadtschloss : Alter Hohenzollernbau in neuem Glanz

Pünktlich zur Grundsteinlegung des neuen Stadtschlosses erinnern ein Bildband und eine Fotomappe an die Pracht des alten Hohenzollernbaus im Herzen Berlins.

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Die Südwestecke des Stadtschlosses wurde 1913 aus der Brüderstraße aufgenommen.
Die Südwestecke des Stadtschlosses wurde 1913 aus der Brüderstraße aufgenommen.Foto: Lukas Verlag

Bevor die Zukunft beginnt, sollte man sich noch mal kurz auf die Vergangenheit besinnen. Schon um das Morgen mit dem Gestern vergleichen, beide aneinander messen zu können. Die Grundsteinlegung zu einem Gebäude wie dem Berliner Stadtschloss, das wieder wie das alte aussehen soll, aber doch nicht so ganz, ist da ein guter Anlass. Morgen ist es so weit, und rechtzeitig ist jetzt ein Buch in den Handel gekommen, das noch einmal eindringlich vor Augen führt, welche Kulturbanausen am Werke waren, als das im Krieg ruinierte, aber nicht irreparable Schloss endgültig demoliert wurde.

Für seinen Bildband „Das Berliner Schloss in historischen Fotographien“ (Lukas Verlag, Berlin, 157 S.,103 Abb., drei Grundrisse, 29,80 Euro) hat Richard Schneider vor allem auf den reichen Fundus des Messbildarchivs im Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege zurückgegriffen. Zwischen 1894 und 1920 hatte die Preußische Messbildanstalt etwa 330 Aufnahmen des Schlosses in einer besonderen Technik anfertigen lassen, Fotos, anhand derer man Größe, Lage und Form von Objekten, also auch Gebäuden und Räumen bestimmen kann. Schon die opulenten Fotoplatten – bis zu 40 mal 40 Zentimeter – garantierten einen einzigartigen Detailreichtum, wodurch das Blättern in dem Band einem Spaziergang durch die prachtvollen Gemächer gleichkommt, wenn auch nur in 2 D.

Was fürs Auge. Der Rittersaal mit dem Prunkbuffet lag im zweiten Stock an der nördlichen, zur heutigen Karl-Liebknecht-Straße zeigenden Schlossseite (1916).
Was fürs Auge. Der Rittersaal mit dem Prunkbuffet lag im zweiten Stock an der nördlichen, zur heutigen Karl-Liebknecht-Straße...Foto: Lukas Verlag

Der im edlen Duoton gedruckte Foto-Streifzug wird ergänzt durch einen Abriss der Bau- und Nutzungsgeschichte, von den Anfängen unter Kurfürst Friedrich II. 1443 bis zum Totalabriss 1950 und dem unmittelbar bevorstehenden Baubeginn des Humboldt-Forums. Im ausführlichen Anhang werden die abgebildeten Schloss- und Raumansichten kunsthistorisch erläutert, angereichert durch Anekdotenhaftes wie Friedrich Wilhelms III. Verdikt über Schadows berühmte Prinzessinnengruppe: „Mir fatal.“ Luise, eine der jungen Damen, war mittlerweile seine Frau und Königin, da erschien ihm die Darstellung zu gewagt. So wurde das Meisterwerk eben an wenig geeignetem Platz abgestellt.

Auf Außenansichten des Hohenzollernbaus, kommentiert durch knappe Texte, beschränkt sich dagegen die Fotomappe „Das ehemalige Berliner Stadtschloss. Historische Fotografien vor der Zerstörung“ (Verlag Jürgen Schacht Berlin, 12 Ansichten im Format 30 x 24 cm samt Stadtplan von 1652, 16,80 Euro). Auch drei Luftaufnahmen sind darunter, an denen man gut erkennen kann, welche dominante Rolle im Stadtbild das Schloss einst besaß, wie es Berlin prägte – und was die Geschichte der alten Stadt angetan hat.

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