Berlin : Historisches Autohaus niedergebrannt

Feuer zerstört denkmalgeschützte Halle bei Opel in der Bessemerstraße. Polizei vermutet Brandstiftung

Jörn Hasselmann

Ein Millionenschaden entstand in der Nacht zu Freitag, nachdem vermutlich Brandstifter die große Halle des Autohauses „Opel Bessemerstraße“ in Tempelhof angezündet hatten. Das Dach der denkmalgeschützten Halle stürzte teilweise ein, 15 Neufahrzeuge wurden vollständig zerstört, ebenso das komplette Lager der Firma. Weit über 100 Wagen wurden beschädigt. Die Feuerwehr benötigte bis 3.30 Uhr früh, um das Großfeuer mit 120 Mann zu bekämpfen.

Eine Putzfrau hatte um 21.35 Uhr verdächtige Geräusche gehört und dann die Flammen entdeckt, die sich in Minutenschnelle ausbreiteten. Politische Parolen oder Flugblätter wurden nicht gefunden, die Motive des oder der Täter sind unklar. „Es gab keine Drohungen“, sagte der Geschäftsführer des Autohauses, Andreas Nikolaus. Durch die starken Zerstörungen wird die Untersuchung der Brandstelle mehrere Tage dauern.

Nikolaus schätzte die Schadenshöhe auf sieben bis neun Millionen Euro. „Im nächsten Jahr wollten wir 100 Jahre Opel in der Bessemerstraße feiern“, sagte Nikolaus, „nun ist alles zerstört“. Der Verdacht auf Brandstiftung wird unter anderem davon genährt, dass ein Wachmann kurz nach Ausbruch des Feuers einen dunklen „Ford Fiesta“ gesehen hatte, der direkt vor dem Autohaus gestartet wurde und dann wegfuhr. Auf diesen Wagen mit Berliner Kennzeichen konzentrierten sich die Ermittlungen – er war vor einem Monat stillgelegt worden. Die Befragung der in Neukölln wohnenden Halterin brachte die Ermittler der Brandkripo gestern jedoch nicht weiter. Auch ein Verdacht gegen einen Schaulustigen, der sich in der Brandnacht auffällig benommen hatte, erhärtete sich nicht; der Mann wurde freigelassen.

Einen technischen Defekt als Brandursache könne man fast ausschließen, sagte der Autohaus-Geschäftsführer Nikolaus, da das Lager, in dem der Brand entstand, erst in diesem Jahr eröffnet worden sei. „Es ist alles neu, auch die Elektrik.“ Kurz vor Entdeckung des Feuers habe der Wachschutz die 5400 Quadratmeter große Halle noch kontrolliert.

Die Halle mit dem davorgesetzten Turm wurde Anfang des Jahrhunderts von Bruno Buch für die Adam Opel AG gebaut. Das Ensemble ist eines der ältesten Opel-Häuser in Deutschland.

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