Hitchbot in Berlin : Trampender Roboter kommt nicht in den Bundestag

Der trampende Roboter Hitchbot hat es nach Berlin geschafft – aber nicht in den Bundestag. Neue Freunde hat er trotzdem gefunden.

Pascale Müller
Hitchbot ist in Deutschland und sitzt am Straßenrand.
Hitchbot ist in Deutschland und sitzt am Straßenrand.Foto: dpa

Wenn die Zukunft den Maschinen gehört, muss sich niemand fürchten. Denn von dem Vertreter der Roboterschaft, der am Mittwochmorgen den Bundestag zu erobern suchte, scheint keine Gefahr auszugehen. Der kleine Kerl nennt sich „Hitchbot“, ist eigentlich nur ein Kasten mit angeklebten Armen und Beinen und trampt schon seit dem 13. Februar durch Deutschland. Auf seinem Kopf trägt er eine Solarzelle und um seinen Hals einen kleinen Bierkrug, ein Geschenk aus München. So steht er vor dem Reichstagsgebäude. Um ihn herum scharen sich Schüler der Klasse 6b aus der Grundschule „Am Vierrutenberg“ in Lübars. Die hatten ihn vor dem Brandenburger Tor aufgelesen und mit zum Reichstagsgebäude genommen. Denn Hitchbot kann zwar sprechen, aber nicht allein laufen. Seine Arme und Beine scheinen einmal eine Schwimmnudel gewesen zu sein. Deswegen ist er auf Hilfe angewiesen, um von A nach B zu kommen.

Erfunden und gebaut in Port Credit, Ontario, von David Smith, Doktor an der McMaster Universität, und Frauke Zeller von der Ryerson Universität, ist er im Sommer schon erfolgreich durch Kanada getrampt. Mehr als 6.000 Kilometer hat er dabei in 26 Tagen zurückgelegt. Das macht Hitchbot nicht einfach nur aus Lust am Reisen, er soll dabei herausfinden, wie Menschen mit Maschinen umgehen.

Nach Stationen am Schloss Neuschwanstein in München, auf dem Kölner Rosenmontagszug und in Bottrop wollte Hitchbot weiter nach Berlin. Sein Ziel: Einmal in den Bundestag. Auf seiner Tour durch Deutschland kann man Hitchbot auf Facebook, Twitter und Instagram folgen. Noch bis Sonntag ist er unterwegs und wird auf seiner Reise auch vom ProSieben-Wissensmagazin Galileo begleitet.

„Hier einen Roboter zu treffen, damit hätten wir nicht gerechnet“, sagt Frau Lorenz, eine Lehrerin der Grundschüler. Eigentlich sollte es im Geschichtsunterricht nur zum Bundestag gehen.

Hitchbot ist in Berlin angekommen
Ein echter Tramp: Hitchbot, der Roboter, ist in Berlin angekommen. Und wie jeder echte Tramper lernt jetzt auch er das Gefühl kennen, übermüdet, durchfroren und orientierungslos durch eine fremde Stadt zu schlurfen.Weitere Bilder anzeigen
1 von 11Foto: Jens Kalaene/dpa
17.02.2015 12:26Ein echter Tramp: Hitchbot, der Roboter, ist in Berlin angekommen. Und wie jeder echte Tramper lernt jetzt auch er das Gefühl...

Die Sonne lugt hinter den Wolken hervor, und Hitchbot blinkt. Auf vier Bildschirmen, die seinen quadratischen Kopf bilden, erscheinen Herzchen, Regenwolken und ein Smiley. „Was ist deine Lieblingsfarbe?“, fragen die Kinder. „Grün“, antwortet Hitchbot, übrigens mit einer Frauenstimme. „Ich würde gerne von dir wissen: Wohin willst du?“, fragt der Roboter die Schüler zurück. Wie kommt ein kanadischer Roboter eigentlich zu einem so guten Deutsch?

Mit Vokabeln kommt er durcheinander

Die Journalistin Isabella Kempf hat mit dem kleinen Hitchbot Deutsch gepaukt. Bei den ganzen neuen Vokabeln kommt er ab und zu aber noch ein bisschen durcheinander. Vor allem, weil deutsche Wörter im Vergleich zu englischen so lang sind. Deshalb müssen die Schüler auch langsam mit ihm sprechen. Kommunikationsprobleme gibt es vor allem beim Thema Essen. „Hitchbot, magst du Döner?“, fragt ein Mädchen. „Kannst du es beschreiben?“, fragt Hitchbot zurück, eine Standardphrase, die signalisiert, dass er nicht verstanden hat. „Eine Teigtasche mit Fleisch und Gemüse drin“, sagt die Schülerin. Und Hitchbot wieder: „Kannst du es beschreiben?“ Das Mädchen nun lauter: „D–Ö–N–E–R“. Stille von Hitchbot. Die Kinder sind sich einig: Der Roboter ist zwar süß, aber zum Spielen nicht so gut zu gebrauchen. „Mit nach Hause würde ich den nur nehmen, wenn er sich auch bewegen könnte“, sagt ein Junge.

Mit in den Bundestag darf Hitchbot dann auch nicht – er könne nicht richtig durchleuchtet werden, heißt es am Eingang. Ein Pressesprecher des Bundestages erklärt, es habe weder eine Akkreditierung noch eine Anmeldung vorgelegen. Keinen Promi-Bonus für den Roboter, auch, wenn er am Tag zuvor bei Stefan Raab zu Gast war. Mit seinen Schwimmnudelarmen und Gummihänden wäre es dem Roboter auch sicher schwergefallen, einen Akkreditierungsantrag auszufüllen. Als seine neuen Freunde durch die Glastür in den Bundestag verschwinden, blinkt Hitchbot traurig. „Tschüss!“, rufen sie noch einmal laut. Dann steht die Menschmaschine ein bisschen verloren da.

Er mag elektronische Musik

Na gut, dann eben ein Interview. Als Roboter hört er natürlich am liebsten elektronische Musik. „Mr. Roboto“, von der Band Styx, läuft bei ihm auf Dauerschleife, aber auch eine Berliner Band findet er klasse: Kraftwerk. Außerdem haben ihm seine Eltern viel über Philosophie und Astrophysik beigebracht. Er würde sich freuen, wenn er mal richtig mit jemanden darüber reden könnte. Zwischendurch kommen immer wieder Touristen und lassen sich mit Hitchbot fotografieren. Neben seinem kleinen Bierkrug hat er noch andere Souvenirs gesammelt, einen Deutschlandschal etwa und ein paar Plastikblumen. Jemand hat „Gute Reise! auf seine Arme geschrieben. Und auf seinem Hals steht neuerdings „Berlin, ick liebe Dir“.

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