Berlin : Hitlerbart an Mahnmal für Holocaust Es mehren sich die antisemitischen Vorfälle

Julia Dziuba

Das Holocaust-Mahnmal auf dem Alten Jüdischen Friedhof in der Großen Hamburger Straße in Mitte ist Ziel einer antisemitischen Attacke geworden. In der Nacht zu Dienstag entdeckten Streifenbeamte, dass einer der Bronzefiguren ein Hitlerbart angemalt worden war. Schon häufig ist das Mahnmal des Künstlers Will Lammert, das seit 1985 an die von dem Areal ausgehenden Deportationen erinnert, solchen Attacken ausgesetzt gewesen.

Es war der zweite derartige Anschlag innerhalb weniger Tage. Wie berichtet, wurde in der Nacht zu Sonnabend eine Gedenktafel in der Ellen-Epstein-Straße in Moabit mit schwarzer Farbe beschmiert. Sie erinnert an die Deportation von über 30 000 Berliner Juden vom angrenzenden Güterbahnhof. Die Tafel war erst eine knappe Woche zuvor von der Initiative „Sie waren Nachbarn“ aufgestellt worden. Der Staatsschutz prüft nun, ob es einen Zusammenhang zwischen beiden Taten gibt. Auf der in Nähe des Güterbahnhofs gelegenen Putlitzbrücke erinnert bereits seit 1987 ein Mahnmal an die Deportationen. Auch dort kam es wiederholt zu antisemitischen Angriffen.

Einzelfälle sind sie nicht: Nach der Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage des Bundestagsabgeordneten Volker Beck (Grüne) wurden 2015 insgesamt 1366 Straftaten mit antisemitischem Hintergrund ermittelt – darunter 36 Gewalttaten. Der Trend gegenüber den Vorjahren ist zwar leicht rückläufig, doch geht Benjamin Steinitz, Projektkoordinator der Berliner Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus, von einer hohen Dunkelziffer aus: „Wir wissen, dass viele Juden und Jüdinnen ihre Erfahrungen nicht zur Anzeige bringen und deshalb nicht in der offiziellen Statistik auftauchen.“

Der vom Senat finanzierte Verein zählte für 2015 allein in Berlin 405 antisemitische Vorfälle, darunter 236 „Angriffe, Bedrohungen, Beleidigungen und Pöbeleien“. Julia Dziuba

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