Berlin : Hitlers Rückkehr

Morgen eröffnet Madame Tussauds mit vielen Stars und Verbrechern aus Wachs

Stefan Jacobs

Die Ausstellung beginnt mit Bismarck und einer Warnung. Die betrifft Adolf Hitler, der im zweiten Zimmer zwischen Schlachtplänen im Bunker sitzt und laut Warnschild „ein Sonderfall“ ist: „Aus Rücksicht auf andere Besucher und aus Respekt gegenüber den Millionen Menschen, die während des Zweiten Weltkriegs umgekommen sind.“ Videoüberwachung, Aufsichtspersonal und Hitlers Schreibtisch sollen die Besucher auf Distanz halten, die ab morgen wohl die neue Filiale von „Madame Tussauds“ stürmen werden.

Außerdem wird der Wachshitler vom Wachskennedy beobachtet. Beide befinden sich in der Abteilung „Helden und Bösewichte“, in der sich außerdem vier Altkanzler sowie diverse ehemalige Vorsitzende ehemaliger kommunistischer Zentralkomitees befinden. Allen gemein sind die allzu perfekt sitzenden Frisuren und die unverschämt rosige Haut, aber das wird sich unter den prüfenden Händen des Publikums sicher bald ändern. Und irgendwie ist man ja selbst neugierig, krault also verschämt Adenauers Kinn, das sich anfühlt wie eine Kerze, und prüft den festen Sitz der Haare. Dass die Modellbauer „ausschließlich Echthaar“ verwenden, erfährt man leider erst gegen Ende des Rundgangs. Außerdem erzählt eine Mitarbeiterin, dass die mutmaßlich begehrtesten Exponate für maximale Robustesse aus Kunstharz gefertigt seien. George Clooney beispielsweise.

Der Rundgang durch die Politikerabteilung ist quasi Weltpolitik to go: Ein Mann, ein Schild, und schon ist man so einigermaßen im Bilde. Erkenntnisse lassen sich auch aus der sonst nicht möglichen Nähe gewinnen: Die Brillanten in Sarkozys Manschettenknöpfen beispielsweise. Oder die Hände von George W. Bush, an denen man Blutspuren wähnt. Ob das ein Missgeschick ist oder eine subtile Botschaft, weiß wohl nur der Modellbauer selbst. Und Angela Merkel, deren Modell eher wie eine jüngere Halbschwester aussieht, ist für Wachsfigurenbildner offenbar eine schwierige Person.

Im Obergeschoss, geht es, vorbei an Beethoven, Einstein und Grass, genau auf den brüllenden Oliver Kahn zu. Boris Becker guckt ein bisschen der Welt entrückt, aber an seiner Seite befindet sich ein großer Monitor. Und auf dem gibt’s Pong, das unsterbliche Uralt-Computertennis. Ein Original zwischen all den Abbildern, wie schön. Stefan Jacobs

Unter den Linden 74, ab Sa. tgl. 10–19 Uhr, Eintritt: 18,50 € / ermäßigt: 13,50 €

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