Berlin : Hits aus dem Spielzeugladen

Die Band OMP rockt auf Kinderinstrumenten – ein Film zeigt, wie das geht

Constanze Bilogan

Sie sehen niedlich aus mit ihren winzigen Gitarren. Mit dem Mini-Glockenspiel, dem Zwergen-Schlagzeug. Nur das Mikrofon des Sängers hat die gewohnte Größe. Man denkt: Die können das unmöglich ernst meinen. Oder doch?

„Wir spielen jetzt ,Walking on sunshine’ von Katrina and the Waves“, beginnt eine von Klaus Cornfields Liedansagen. Und dann weiter: „Ich hab zwar nicht so viel Busen, aber genauso viele Leute auf der Bühne!“ Cornfield ist der Frontmann dieser Combo, vielleicht eine der kuriosesten der Stadt. „Orchestre Miniature in the Park“ nennen sie sich, kurz „OMP“, und alle 18 Mitglieder haben eins gemeinsam: Sie spielen auf Kinderspielzeugen. Da gibt es kleine bunte Metallglocken, die passend zur Melodie angeschlagen werden, ein Glockenspiel aus der musikalischen Früherziehung oder Klaviere in Miniaturausgabe, die nur mit zwei Fingern bedient werden können. OMP machen Gute-Laune-Musik. In ihren Texten geht es immer um Sommer und Sonne, dabei beherrscht jedes Orchestermitglied sein kleines Instrument in Perfektion. „Wir alle arbeiten nebenbei“, erzählt Cornfield nach dem Konzert, „wir sind Comiczeichner, Hotelfachleute oder Mediengestalter.“

Die Idee, Musik auf Kinderinstrumenten zu machen, sei ihm 2007 zu Hause gekommen, nachdem er einige Zeit „nur drinnen gehockt“ habe. „Ich musste einfach raus. So hatte ich den Drang, Musik in Parks zu machen. Ich hatte eine Kindergitarre, der Rest kam wie von selbst.“ So formierte sich langsam aber sicher eine immer größere Gruppe um Frontmann Cornfield, die Lust auf ein innovatives Bandkonzept hatte. Sie spielten auf der Straße, in Parks und Cafés. Nach jedem Konzert kamen neue Bandmitglieder hinzu, „denn einige begeisterte Zuhörer blieben einfach bei uns hängen.“

Der Bandgründer springt auf der Bühne umher, lässt sich fallen, wälzt sich auf dem Boden. Bei all der Exzentrik, die OMP ausstrahlen, machen sie dennoch zurückhaltende und zarte Musik. Sie benutzen kleine Verstärker, der Klang ist weich, keine Gitarren, die aus den Lautsprechern scheppern oder Schlagzeuge, die Trommelfelle zum Zittern bringen.

„Letztes Jahr haben wir uns dann auf die Reise gemacht“, erzählt Cornfield. Es ging nach Frankreich, nachdem der Band in Spanien eine Unterkunft abgesprungen war. „Wir haben uns gedacht, wir fahren trotzdem und schlafen im Zelt.“ Begleitet von der Dokumentarfilmerin Estelle Beauvais spielte die Band eine Woche lang an Stränden und in Hafenstädten in der Nähe von Bordeaux.

Dabei ist ein 52-minütiger Film entstanden, der an diesem Donnerstag um 20 Uhr im Kino Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz in Mitte seine Premiere feiert. „Les pieds dans le ciel“ zeigt den Bandalltag und versucht, das freie und ungezwungene Gefühl, das OMP auf ihren Konzerten ausstrahlen wollen, in Bilder zu fassen. Ob das gelingt, kann man anschließend direkt vergleichen: Nach Ende der Premieren-Vorführung gibt die Band ein Livekonzert.

Der Bandname ist von Cornfields musikalischen Vorbildern OMD – Orchestral Manoeuvres in the Dark – inspiriert. „Im Prinzip machen wir ja genau dasselbe“, so Klaus, „lustigen Pop, nur eben mit kleinen Instrumenten.“ Constanze Bilogan

Die Vorführung beginnt am Donnerstag um 20 Uhr, danach gibt’s ein Konzert. Eintritt 9 Euro, mehr Infos unter www.babylonberlin.de

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