Hitze in Berlin : Keine Blätter, kahle Bäume - das große Verdursten

Berlins Straßenbäume werfen die Blätter ab. Frühling und Sommer waren zu trocken, die Bezirke kommen mit dem Wässern nicht nach. Bürger könnten mehr tun.

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Herbst in Berlin-Kreuzberg? Eine Aufnahme im Spätsommer 2015, aufgenommen vor der Redaktion des Tagesspiegel am Askanischen Platz.
Herbst in Berlin-Kreuzberg? Eine Aufnahme im Spätsommer 2015, aufgenommen vor der Redaktion des Tagesspiegel am Askanischen Platz.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

In vielen Berliner Straßen sieht es schon jetzt aus, als sei der Herbst da. Beinah kahle Bäume, darunter braunes Laub. Sie leiden unter der Trockenheit dieses Sommers. Da hilft auch der für heute angesagte Regen nichts mehr.

Die Grünflächenämter schaffen es kaum, auch nur die Jungbäume, die noch nicht so tief wurzeln, zu wässern, und die Resonanz der Berliner auf Appelle, die Bäume vor Haustür zu gießen, ist eher gering.

440.000 Straßenbäume gibt es in Berlin. Gut jeder dritte davon ist eine Linde, mit deutlichem Abstand folgen Ahorn und Eiche. „Die Bäume werfen Laub ab, um die Verdunstungsfläche zu reduzieren“, sagt Ingrid Lehmann, Leiterin des Straßen- und Grünflächenamtes in Treptow-Köpenick. „Einzelne ältere Bäume sterben auch ab, weil wir einige trockene Frühjahre in Folge hatten.“

Vermehrt treten außerdem Schädlinge auf. Auffällig ist der Spinnmilbenbefall, sichtbar durch vergilbtes und braunschwarzes Laub. Der Splintkäfer, ein typischer Schwächeparasit, hat sich kräftig vermehrt. „Die Situation ist schwieriger als in den letzten Jahren“, sagt Baustadtrat Martin Lambert (CDU) aus Reinickendorf. Bäume entwickelten tote Spitzen, Rindenschäden und vermehrt Totholzbildung.

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„Durch den trockenen Frühsommer sind größere Ausfälle als in den vergangenen Jahren zu verzeichnen“, konstatiert Monika Osteresch vom Grünflächenamt in Steglitz-Zehlendorf. Der Bezirk hat die mit Abstand größte Zahl an Straßenbäumen, mehr als 61.000. Viele sind bereits vorgeschädigt durch die Trockenheit der letzten Jahre und das Salz der Wintermonate.

Die Wetterlage habe auch Schädlinge und Pilzkrankheiten gefördert, sagt Bernd Kanert vom Neuköllner Grünflächenamt. Neben Spinnmilben wurde ein stärkerer Befall von Blattläusen, Mehltau und Braunfäule registriert. Friedrichshain-Kreuzberg, wo es mit rund 16.000 die geringste Zahl an Straßenbäumen gibt, registriert Schäden besonders an Jungbäumen. „Voraussichtlich wird ein Teil der Neupflanzungen ausgetauscht werden müssen“, sagt Stadträtin Jana Borkamp (Bündnis90/Grüne).

175 Liter Wasser für Jungbäume in Reinickendorf täglich

Der Spandauer Amtsleiter Michael Spiza glaubt, künftig sei eine weit intensivere Betreuung der Straßenbäume notwendig. Schon jetzt kommen die Grünflächenämter mit ihrem knappen Personalbestand trotz erhöhten Einsatzes mit der Wässerung nicht hinterher. „Nur etwa die Hälfte der Jungbäume konnten bisher ausreichend gewässert werden“, sagt auch Marc Schulte (SPD), Stadtrat in Charlottenburg-Wilmersdorf. In den meisten Bezirken wurden zusätzlich Gartenbaufirmen beauftragt. In Pankow sind zwei Gießwagen im Einsatz, erzählt Bürgermeister Matthias Köhne (SPD). Das reiche nicht aus, sei aber personell nicht anders möglich.

„Wir haben dieses Jahr regelmäßig zirka 5000 Bäume gewässert“, sagt Wolfgang Leder vom Grünflächenamt Mitte. Mehr sei nicht machbar gewesen. In Reinickendorf wässert das Amt selbst rund 520 der 1300 Jungbäume mit jeweils 175 Litern pro Tag, den Rest übernehmen die Fachbetriebe. 90000 Liter Wasser fährt der Gartenbaubereich täglich zu den Bäumen. Schäden werden in diesem Sommer nicht abzuwenden sein, sagt auch Stadtrat Christian Gräff (CDU) aus Marzahn-Hellersdorf für seinen Bezirk voraus.

Nicht überall wird so viel gewässert wie in Pankow

Nicht überall ist die Resonanz der Bevölkerung so groß wie in Pankow, wo Anwohner sogar um die Bereitstellung von Gießwagen und Schläuchen gebeten hatten. Während manche Anwohner sich rührend um „ihre“ Bäume kümmern, weisen andere das Bezirksamt gerne darauf hin, was es zu tun habe. Das kann etwa Bernd Kanert aus Neukölln berichten. In Spandau, wo auch das Technische Hilfswerk Bäume wässert, ist das Engagement der Anwohner „nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Michael Spiza.

Nur selten seien Mieter- oder Eigentümergemeinschaften bereit, die Wasserkosten dafür zu tragen. Dabei koste es nur fünf Euro, einen Baum zehnmal im Jahr mit 100 Litern Wasser zu versorgen, sagt Ingrid Lehmann von der Stadtentwicklungsverwaltung. Sie würde sich wünschen, dass mehr Vermieter Schlauchanschlüsse am Haus bereitstellen, um den Anwohnern das Wässern der Straßenbäume zu erleichtern. Das lohnt sich auch in den kommenden Spätsommertagen noch – auch, wenn es zwischendurch mal regnen sollte.

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Neukölln, Ortsteil Neukölln. Große Güte, was sollen wir denn noch schreiben über Neukölln? Ach, zeigen wir lieber die besten Bilder aus dem hippen/dreckigen/juten, alten Neukölln (je nach Alter und Herkunft).Und stellen zwei knifflige Fragen: In welchem Ortsteil steht das Karstadt am Neuköllner Hermannplatz? Genau, in Kreuzberg (der Bürgersteig ist die Grenze, das überragende Dach gehört zu Neukölln). Und wer sind die beiden Figuren in der Mitte? Das "tanzende Pärchen" steht dort seit den 80ern, erschaffen wurde es von Joachim Schmettau und drehte sich früher sogar mal. Moment: Joachim Schmettau ... Schmettau? Ja, genau, das ist auch der Mann vom markanten Wasserklops am Europa-Center.Weitere Bilder anzeigen
1 von 96Foto: Kitty Kleist-Heinrich
14.01.2016 08:38Neukölln, Ortsteil Neukölln. Große Güte, was sollen wir denn noch schreiben über Neukölln? Ach, zeigen wir lieber die besten...

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