Hitze und Aggression: : "Es hilft nur Wasser trinken und pausieren"

Der Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité in Mitte, Andreas Heinz, spricht über die Auswirkungen der Hitze.

Warum werden viele Menschen bei Hitze aggressiv?

Wenn es draußen fast so heiß wie im Backofen ist, nimmt die Fähigkeit ab, auf Gefühle kontrolliert zu reagieren. Viele geraten in einen Zustand von Unwohlsein, fühlen sich matt, zugleich aber angestrengt. Kommen einem dann andere Leute zu nah, beispielsweise in der aufgeheizten S-Bahn, sinkt die Toleranzschwelle.

Wieso ist der Körper derart angestrengt?

Derzeit erreicht die Hitze in Berlin ja die Werte unserer durchschnittlichen Körpertemperatur von etwa 37 Grad Celsius. Das bedeutet: Unser Körper muss permanent eine aufwendige Kühlmaschinerie in Gang halten, sprich schwitzen. Andernfalls würden ja schnell gefährliche Fieberwerte erreicht. Das zu verhindern ist für ihn harte Arbeit. Er läuft auf Hochtouren. Entsprechend sinkt die Leistungsfähigkeit an anderer Stelle.

In mediterranen Ländern gehört das alles zum Alltag. Wieso bleiben die Menschen dennoch gelassener?

Rund ums Mittelmeer ist man Hitze gewöhnt, hat den Alltag entsprechend eingerichtet. Während wir um die Mittagszeit bei Sahara-Temperaturen oft heftig ackern, ist dort eher Siesta-Zeit und man arbeitet in den Abend hinein. Diese Hitzewelle hat uns in Berlin mal wieder hinterrücks erwischt.

Wie kann man Müdigkeit und Aggressionen verhindern?

Ganz wichtig ist vor allem: viel trinken und leichte, gut gewürzte Kost essen, Salate oder Gemüse. Und natürlich Obst. Wenn wir schwitzen, verliert unser Körper ja große Mengen an Flüssigkeit und Salzen. Das muss möglichst schnell wieder aufgefüllt werden, andernfalls verstärkt sich das Gefühl der Abgespanntheit und Anstrengung. Außerdem sollte man sich mehr Pausen gönnen, Schattenplätze aufsuchen und den Terminkalender ein bisschen flexibler halten. Vielleicht ist es ja möglich, sich für die heißesten Tage nicht ganz so viel vorzunehmen.

Andreas Heinz (50)

ist Direktor der

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité

in Mitte. Mit ihm sprach Christoph Stollowsky.

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