Berlin : Hitzewelle: In Eiskeller war es mit 38,2 Grad am wärmsten

koeg / pen

Rund eine Million Kubikmeter Wasser verbrauchten die Berliner gestern: eine kalte Dusche für die heiße Stadt, fast 400 000 Kubikmeter mehr als sonst, kaltes Wasser als erste Hilfe. Aber nicht alle Hitzegeplagten wurden rechtzeitig abgekühlt. Unter der tropischen Wärme und Schwüle litten ältere Menschen besonders. Die Feuerwehr musste zu rund 80 Einsätzen mehr als üblich ausrücken: Hitzekollaps, Sonnenstich, Kreislaufzusammenbruch. Erst am Nachmittag brachten erste Gewitter ein wenig Abkühlung - Vorbote einer drastischen Wetter-Umstellung in den nächsten Tagen.

35,6 Grad wurden gestern noch in Dahlem gemessen, kein neuer absoluter Juni-Rekord, aber doch ein neuer für den 21. Juni. Dahlem ist allerdings klimatisch vergleichweise gemäßigt. Aus der Kolonie Eiskeller in Spandau meldete Meteofax sogar 38,2 Grad. Wegen der frühsommerlichen Hitze ist die Natur dem Kalender immer noch um zwei bis drei Wochen voraus, wie Hartmut Balder beim Pflanzenschutzamt sagt. Keine Sorge aber um die Straßenbäume: Sie haben sich im Winter und Frühjahr vollgesogen.

Bei dieser Hitze entstanden immer wieder örtliche Wärmegewitter. Vor allem der Süden bekam seine Schauer ab. Auch heute geht es schwül in den Tag. Erst mittags oder nachmittags wird das Frontensystem erwartet, mit dem das Wetter sich umstellt: Freitag wechselhaft, 23 Grad, Sonnabend und Sonntag Schauer, 21 Grad, der neue Wochenanfang auch nicht viel anders, das sagt die Prognose.

So war gestern vorerst Sommer-Höhepunkt. Selbst T-Shirt-Ärmel wurden hochgekrempelt, und manch einer warf neidische Blicke auf Inderinnen in ihren luftdurchwehten Gewändern. Andere Frauen waren mutiger - und liefen mit Shorts und Bikini-Oberteil durch die Stadt. In Berlin lag die gefühlte Temperatur höher als die in der Karibik. Auch die Mitarbeiter der Feuerwehr kamen ins Schwitzen. Knapp 800 Mal rücken die Beamten sonst täglich aus, gestern kamen 60 bis 80 Fälle hinzu. Nicht nur Älteren musste geholfen werden - auch Jüngere tranken zu wenig, nahmen kaum salz- und mineralstoffhaltige Lebensmittel zu sich oder hielten sich zu lange in der Sonne auf.

Die rund 600 Rettungsschwimmer der Arbeitsgemeinschaft Wasserrettungsdienste hatten vor allem an Land gut zu tun mit Schnittverletzungen. Außerdem, sagt AG-Sprecher Wolfgang Pickert, "haben wir einige Leute mit zu viel Alkohol im Blut im Wasser aufgesammelt." In den Frei- und Strandbädern war kaum noch ein Platz fürs Handtuch (siehe Kasten). Den Mitarbeitern der Berliner Wasserbetriebe kam die Hitzewelle indes zupass: Sonst fließen im Schnitt rund 630 000 Kubikmeter Wasser durch die Rohre - jetzt waren es rund eine Million. Das bedeute zwar mehr Arbeit für die Pumpen, nicht aber für die Mitarbeiter, sagte Sprecher Stephan Natz. Der Wasserverbrauch ist nämlich wegen des Niedergangs der Industrie und sparsamer Haushaltsgeräte stark zurückgegangen - deshalb müssen die Leitungen sogar öfter gespült werden, damit sich ruhendes Wasser nicht wegen des Eisens in den Rohren bräunlich einfärbt. Das war nun nicht nötig.

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