Berlin : Hoch hinaus am Alex

Am Einkaufszentrum Alexa soll nun doch ein 150 Meter hoher Turm entstehen: Gleich drei Investoren zeigen Interesse

Cay Dobberke

Am Alexanderplatz könnte es nun doch bald ein neues Hochhaus gehen: Drei in- und ausländische Unternehmen sind am Bau eines 150-Meter-Turms an der Alexander-/Ecke Grunerstraße interessiert – direkt neben dem Haupteingang des Einkaufszentrums „Alexa“, das im September eröffnen soll. Im Hochhaus könnten ein Hotel, Appartements und Büros entstehen, kündigten am Mittwoch Manager des Alexa-Bauherrn Sonae Sierra an, dem das Eckgrundstück bisher gehört.

„Wir sind mit Hochdruck dran und wollen bis September einen Vertrag über den Verkauf abschließen“, sagte Projektleiter Dirk Nadig. Namen der möglichen Investoren nannte er allerdings nicht. Die Planung des Hochhauses würde ein Jahr lang dauern und der Bau zwei Jahre, schätzt er – 2010 könnte das Hochhaus also fertig sein. Einen gültigen Bebauungsplan gibt es bereits. Offen ist dagegen noch, wie genau das Hochhaus aussehen soll. „Darüber entscheidet der Grundstückskäufer“, so Nadig.

Mit dem Projekt würden die Planungen des Senats für eine Wolkenkratzer-Skyline am Alex neuen Schwung bekommen. Bereits 1993 war ein städtebaulicher Wettbewerb gestartet worden. Der Siegerentwurf der Architekten Hans Kollhoff und Helga Timmermann sah 13 Hochhäuser vor; für sieben davon gibt es mittlerweile Baurecht. Bisher wurde jedoch keiner der Türme gebaut, weil sich zu wenig Mieter fanden.

Dennoch hält Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) an den Visionen fest. Ihre Sprecherin Manuela Damianakis betonte gestern, der Alexanderplatz sei heute deutlich attraktiver für Investoren als noch vor eineinhalb Jahren – beispielsweise durch die Modernisierung des Kaufhofs, die Sanierung des Berolina-Hauses, die nahende Eröffnung des Alexa-Centers, den im Mai geplanten Baubeginn für ein Geschäftshaus der US–Firma Hines sowie die laufende Umgestaltung des Platzes selbst. „Da ist richtig was los – und das merken auch die Investoren“, sagte Damianakis. Im Übrigen beobachte die Senatsverwaltung auch, dass sich „der gesamte Immobilienstandort Berlin gut entwickelt“.

Von „steigendem Interesse“ und einer positiven Entwicklung am Alex sprechen auch die Alexa-Planer. Das portugiesische Unternehmen Sonae Sierra investiert zusammen mit Foncière Euris aus Frankreich rund 290 Millionen Euro in das Einkaufszentrum. Mit einer Mietfläche von 54 000 Quadratmetern wird es größer als die Potsdamer-Platz-Arkaden. Das größte Center Berlins bleiben die Neuköllner Gropius-Passagen. Doch in anderer Hinsicht sieht man sich am Alex vorn: „Wir werden mehr als 180 Geschäfte im Haus haben, das ist die stadtweit höchste Anzahl“, sagte der künftige Centermanager Oliver Hanna. Zu den Hauptmietern gehören Media Markt, Reichelt, Zara, Rossmann, Douglas, Thalia und Intersport. Insgesamt ist Alexa bereits zu 80 Prozent vermietet. Neben Läden und Restaurants entsteht ein 7000 Quadratmeter großer Freizeitbereich. Während die rote Fassade bereits zu großen Teilen fertig ist, lässt sich innen noch nichts von der Gestaltung erahnen, die mit Art-Déco-Elementen an die 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts erinnern soll. Gestern wurde mit Autokränen die längste von insgesamt 28 geplanten Rolltreppen in den Bau gehievt – sie ist 19 Meter lang und neun Tonnen schwer. Für Juni plant das Centermanagement eine symbolische Schlüsselübergabe an die Mieter.

Auf dem Gelände zwischen Alexanderplatz und Jannowitzbrücke, das viele wegen seiner Form „Banane“ nennen, ist auch die Degewo tätig: Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft ist für die gesamte Erschließung – etwa mit Rohren und Leitungen – zuständig und will Teile des Areals nach dem Abschluss der Arbeiten selbst vermarkten. „Der Gewerbemarkt zieht an“, freut sich Sprecherin Erika Kröber. Am Alex sei dies besonders dem erneuerten Kaufhof und dem Alexa-Projekt zu verdanken, aber auch der guten Verkehrsanbindung. Noch habe die Degewo zwar keine Grundstückskäufer gefunden, doch gebe es Verhandlungen mit einigen Interessenten. Denkbar sei unter anderem, dass große Firmen dort eine Berliner Dependance ansiedeln, sagt Sprecherin Kröber.

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