Berlin : Hoch hinaus am Breitscheidplatz

Der Bebauungsplan ist fertig. Neue Türme sind an der Kantstraße geplant – mit 33 Stockwerken

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Mit der seit Jahren stockenden Neubauplanung am Breitscheidplatz soll es jetzt vorankommen. Die Frankfurter Firma CasiaImmobilienmanagement will den Anfang machen und zwei gläserne, ineinander versetzte 33-stöckige Hochhaustürme an der Kantstraße errichten. Zu dem Projekt gehören acht- und neunstöckige Geschäftshäuser zwischen Hardenbergstraße und Kurfürstendamm gegenüber der Gedächtniskirche.

Der Senat hat den Bebauungsplan so gut wie beschlossen, gestern wurde er dem bezirklichen Bauausschuss vorgestellt. Bevor die Gebäude errichtet werden können, muss das bislang denkmalgeschützte Schimmelpfeng-Haus, das die Kantstraße überbrückt, abgerissen werden. Es steht bereits seit mehreren Monaten nahezu leer. Mit ersten Bauarbeiten auf dem prominenten City-Gelände wird frühestens Ende 2004 gerechnet.

Nach dem „vorhabenbezogenen Bebauungsplan“ soll die Kantstraße verengt werden und optisch näher an den Breitscheidplatz rücken, die Bürgersteige sollen verbreitert und 17 neue Straßenbäume gepflanzt werden. Im Hochhaustrakt ist unter anderem ein Luxus-Fitness-Center geplant.

Der gesamte Komplex besteht aus drei Teilen: Das achtgeschossige Gebäude 1 mit der Adresse Kurfürstendamm 11 liegt unmittelbar am Breitscheidplatz, weicht mit einer geschwungenen Fassade zur Gedächtniskirche leicht v-förmig zurück, was dem Platz eine ganz neue Fassung gibt. Diesem Bauwerk schließt sich der Hochhausbereich an der Kantstraße an. Auf der von Kant- und Hardenbergstraße gebildeten Blockspitze entsteht ein neunstöckiger Bau, der entlang der Hardenbergstraße eine Arkade erhält, die vom geplanten Nachbargebäude „Zoofenster“ bis zum Breitscheidplatz weitergeführt wird. Eine Tiefgarage mit 220 Stellplätzen ist an der Kantstraße vorgesehen.

Planungen für eine Neubebauung des Grundstücks Schimmelpfeng-Haus (der Name leitet sich von der einst hier ansässigen Wirtschaftsdetektei ab) sind fast ein Jahrzehnt alt, wurden aber inzwischen vom Architekten Christoph Langhof so gründlich überarbeitet, dass sie kaum noch wiederzuerkennen sind. So bekam das zunächst so kantige Hochhaus Rundungen und viel mehr Glas verpasst als zuvor.

Zunächst hatte die Gesellschaft Itag hier für rund 200 Millionen Euro bauen wollen, verkaufte aber das Grundstück samt der Entwurfsplanung. Die Casia ließ die Pläne ändern. Aber mit 118 Metern Höhe wird der Komplex so hoch sein wie das seit mehr als zehn Jahren geplante „Zoofenster“-Hochhaus schräg gegenüber vom Bahnhof Zoo. Die Vorbereitungen zu diesem Bauwerk wurden zwar begonnen, blieben aber im Sande stecken. Die Frankfurter Casia, eine Tochtergesellschaft der Rheinischen Hyp, die wiederum der Commerzbank gehört, will nun die City-West-Entwicklung forcieren.

Die Neugestaltung wird seit Jahren von Geschäftsleuten und Politikern gefordert. Gerade das Areal um das Schimmelpfeng-Haus gilt als Schmuddelecke. Die Straßenüberbauung lasse die Kantstraße wie eine Sackgasse erscheinen, kritisierten Stadtplaner. Andere wiesen auf den Denkmalschutz des in den fünfziger Jahren errichteten Gebäudekomplexes hin, die einstige Charlottenburger Baustadträtin Beate Profé beispielsweise sah die Gedächtniskirche durch die geplanten Hochhäuser „zum Winzling degradiert“.

Andrerseits wuchsen in der Nachbarschaft Neubauten in die Höhe: Etwa das Kudamm-Eck oder das Neue Kranzler-Eck. Das so genannte Bikini-Haus an der Budapester Straße erhielt neue Eigentümer, die das Bauwerk modernisieren möchten und auf eine „Aufwertung“ der Umgebung warten. Letztlich will auch der Senat den Breitscheidplatz attraktiver gestalten, dies aber erst dann tun, wenn auf dem Gelände des Schimmelpfeng-Hauses ein Neubau steht.C.v.L.

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