Berlin : Hoch über den Gräbern am Friedhof Bergstraße

Ekkehard Schwerk

In der Berliner Denkmalliste sind gut zwei Dutzend Wassertürme aufgeführt. Einer ist jener in Steglitz auf dem Friedhof Bergstraße. Er wird am Sonnabend von 11 bis 13 Uhr zur allgemeinen Besichtigung aufgemacht und ist von jetzt an aparte Adresse des Medizinverlages von Wolfgang Becker-Brüser. Das Aparte besteht in der Friedhofslage und musste neben dem Denkmalschutz bei einer Verpachtung bedacht werden.

Es hat seine Weile gedauert, bis der Bezirk Steglitz einen Pächter des ausgedienten Wasserturmes gefunden hat; denn wer in diesen Turm hinein wollte, musste auch noch das Seine zur enorm teuren Instandsetzung des nun 80-jährigen Turms beizusteuern im Stande sein. Das Bezirksamt steckte mit Hilfe der Senatsbauverwaltung 2,14 Millionen Mark in den Turm, das heißt in die Reparatur der Verkleidung und in die Statik. Der Medizinverlag erübrigte weitere anderthalb Millionen Mark für den Innenausbau, der unter den strengen Augen der Denkmalpflege vorgenommen wurde. Die architektonische Regie lag beim Büro Bozina.

Der Turm, über den wir schon oft im Zusammenhang mit der Suche nach einem Nutzer berichtet haben, ist 40 Meter hoch und 80 Jahre alt. Wassertürme waren immer für einen engeren Siedlungsbereich wichtig. Aber auch denkmalwerte Wassertürme wie jener am Bahnhof Ostkreuz waren nicht für die Wasserversorgung der Bürgerschaft, sondern für die Eisenbahn errichtet worden. Nach dem Zuschnitt Groß-Berlins wurde der Steglitzer Wasserturm überflüssig. Der Bezirk wurde ans Wassernetz der Stadt angeschlossen. Nach dem Kriege wurde der Friedhof Bergstraße vergrößert, der Turm war demzufolge von Gräbern umgeben. Was sollte nun aus ihm werden? Zunächst dachte man an eine Urnenhalle, die wie ein Rundtempel aussehen sollte. Aber auch das wäre keine dauerhafte Nutzung geworden, zumal ein Friedhofsplan für das nun wiedervereinigte Berlin solche Tempelpläne durchkreuzte.

Jetzt ist das Problem ausgestanden. Ein Verlag zog ein, und für Mauersegler wie Turmfalken wurden Quartiere unter der Turmtraufe geschaffen. Tauben hingegen wurde der Zugang vorsätzlich versperrt.

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