Berlin : Hoch übers Netz

Ein Sportlehrer aus der Schweiz will Fußballtennis in Deutschland groß herausbringen – die ersten Turniere im „t-socc“ finden in Berlin statt

Christopher Buhl

Berlin. Ein Netz gibt es zwar in der Mitte des Platzes, aber keine Schläger, einen Filzball schon, aber der ist größer als gewöhnlich. Gespielt werden darf nur mit Fuß oder Kopf, drei gegen drei, auf einem Tennisfeld. Und im Gegensatz zum Tennis darf der Ball mehrmals den Boden berühren.

Jens-Uwe Grande kommt vom Platz und ringt nach Atem. „Das ist ganz schön anstrengend“, sagt er, nachdem er gerade 15 Minuten über den Hallenboden gerannt ist. Aber Kondition zu trainieren, ist für Grande wichtig. Er will eine neue Sportart in Deutschland populär machen. Und er weiß: „Wir brauchen Ausdauer.“

Der neue Sport heißt Fußballtennis. Kein Tennis, kein Fußball, sondern beides. Oder irgendwas dazwischen. Diese Art sich zu bewegen war einst als Aufwärmübung für Hallenkicker im Winter bekannt, jetzt soll sie eine ernsthaft betriebene Sache werden. „Ja, Fußballtennis ist wirklich Sport“, sagt Peter Marti. Der schweizerische Diplomsportlehrer hat eine Vision: Er will Deutschland vom Fußballtennis begeistern. Dazu hat er Grande eingestellt, der nun in Deutschland Turniere organisieren soll. Dazu hat er dem Sport einen neuen, jugendlichen Namen gegeben: „t-socc“.

Leichter wäre es für den Randsport, wenn es einen starken Verband für „t-socc“ geben würde – für das Organisatorische, die Werbung, das Geld. „Aber der Verband, den es gibt“, sagt Marti und meint den, der 1990 in Deutschland gegründet wurde, „ist quasi tot“. Gleiches gilt für die Institution in Martis Heimatland – auch dort beklagt der Manager wenig offizielles Engagement. Aber das alles soll sich jetzt, wenn es nach Marti geht, grundlegend ändern.

Vorbei an den noch bestehenden, aber verkümmerten Verbänden soll das Konzept „t-socc“ im deutschsprachigen Raum etabliert werden, zunächst in Deutschland, dann in Österreich und der Schweiz. Sportlehrer Marti und sein spielender Manager Grande haben sich als Startpunkt Berlin ausgesucht: „Ich wollte mit dem Projekt unbedingt in eine Großstadt, der Standort Berlin ist dafür ideal“, erklärt Marti. Von der Hauptstadt aus soll sich „t-socc“ auf die restlichen Bundesländer ausbreiten. Später sollen auch Deutsche Meisterschaften ausgerichtet werden können. Vorerst wird nur in den Sportzentren Spandau und Marienfelde gespielt, ab dem kommenden Sonntag finden die ersten Turniere statt. Freizeitsportler können sich dafür noch anmelden (siehe Kasten).

Attraktiv soll „t-socc“ auch für die beteiligten Vereine werden. „Besitzer von Tennishallen profitieren enorm, weil die Auslastung ihrer Anlagen nicht optimal ist“, meint Marti, „durch mein Konzept würden sie überleben“. Die neuen Veranstaltungen sollen offen für alle sein – sowohl Lizenzfußballer als auch Freizeitsportler jeden Alters sind willkommen. „Das Agieren auf dem Tennisfeld und die ungewöhnliche Spielweise machen den Sport interessant“, wirbt Marti noch einmal, bevor er zugibt, dass bis zum Durchbruch von „t-socc“ noch „viel Arbeit geleistet werden muss“.

Immerhin, das Duo Marti und Grande scheint die für die Aufgabe nötige Hartnäckigkeit mitzubringen. Der Plan für den erhofften Boom ist jedenfalls schon ausgearbeitet. „Die Sieger der Länderturniere treffen in einer Finalrunde aufeinander. So wird bald der erste Deutsche Meister ermittelt“, schwärmt Marti. Von der Aufwärmübung zu einer Massenbewegung – der Sportlehrer aus der Schweiz hat Großes vor. In Deutschland gebe es 29 Millionen Mitglieder in Sportvereinen. „Alles potenzielle Interessenten.“

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