Berlin : Hochkant gegen den Regierenden der Herzen

In Grunewald-Halensee tritt Peter Schwenkow gegen Klaus Wowereit an. Der Regierende ist dort populär – hat aber noch nicht gewonnen.

Werner van Bebber

Klaus Wowereit will sich nicht festlegen. Gerade hat ihn der Moderator auf einem SPD-Fest in Charlottenburg-Wilmersdorf auf seinen Wahlkreis angesprochen – und Wowereit, den schon alle als Wahlsieger feiern, neigt den Kopf hin und her. „Bunt“ sei sein Wahkreis, nicht immer leicht für die SPD zu halten. Im Roseneck zum Beispiel – dort ist das feine Halensee besonders fein – müsse er „Kärrnerarbeit“ leisten.

Tatsächlich ist der Wahlkreis Grunewald-Halensee alles andere als homogen. Wowereit mag in der Gegend um die Joachim-Friedrich-Straße auf typische und sichere SPD-Klientel treffen. Weiter im Südwesten halten die Leute nicht so viel von sozialdemokratischen Gerechtigkeitsidealen. Peter Schwenkow, Wowereits Gegner im Wahlkreis, sagte es anders: Er fange den Wochenendwahlkampf gern am oberen Ku’damm an, denn da müsse er sich richtig anstrengen. Mittags wechsle er dann zu Hohenzollerndamm und Roseneck. Da ist Berlin so wohlhabend wie in Ordnung. Dort sehe er nur „strahlende Gesichter“.

Schwenkow erzählt das, lacht sein kurzes trockenes Lachen – und schwärmt von dem, was Wowereit „Kärrnerarbeit“ nennt. Dem Unternehmer macht der Wahlkampf Vergnügen. Der Mann, der als Konzertmanager sehr wohlhabend geworden ist, hat sich von Friedbert Pflüger für den Wahlkampf rekrutieren lassen. Jetzt stehen in seinem Wahlkreis die Plakate, auf denen Peter L.H. Schwenkow verspricht, klar, wahr und direkt zu sein. „L.“ ist übrigens die Abkürzung von Ludolf, das H. steht für Herbert. Schwenkow nimmt für sich in Anspruch, der Erste zu sein, der große Wahlplakate hochkant hat aufstellen lassen. „So wirken sie größer“, lacht er. 70 000 Euro kostet ihn seine Kampagne. Bis auf 6000 Euro sei alles über Spenden gedeckt. Das wird er verkraften.

Schwenkow ist ein Selfmademan, und deshalb passt er mit dem seit zwei Tagen nicht rasierten Bart in den blauen Blazer. Er spottet über „Bürokraten“, feiert „die Familie“ und plant ein Generationenbündnis, das Nachbarschaftshilfe vermitteln soll. Das Projekt, an dem er arbeitet, soll Leute wieder zusammenbringen, die Rentnerin mit der alleinerziehenden Mutter, sagt er bei einer Diskussion mit Jugendlichen, natürlich privat organisiert, nicht als „staatliche Oma-Verwaltungsstelle am Bezirksamt“. Berlin braucht, was Hamburg hat, sagt der Exil-Hamburger – einen Masterplan für Wachstum. Ideen könnten von Unternehmensberatungen kommen, die den Plan umsonst liefern und mit dem „Referenzprojekt“ Berlin werben.

Wowereit und er duzen sich. Der Regierende verzichtet im Wahlkampf auf spöttische Bemerkungen über seinen Gegner. Längst hat er bei einem Teil der Wähler in seinem Wahlkreis unschlagbare Popularität, die viel mit Vertrauen zu tun hat. Wowereit wirkt herzlich, wo Schwenkow kühl bleibt. Schwenkow sagt, er wolle „Übersetzer“ bürgerlicher Interessen sein. Wowereit verspricht mit der Autorität des Amtsinhabers, er werde sich kümmern um Lehrermangel und ein neues Schulschwänzerprojekt. Als wolle er Schulsenator werden. Election.de sagt ihm den Mandatsgewinn voraus, sicher ist das nicht. Die Wähler dort haben jedenfalls eine echte Wahl.

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