Berlin : Hochkultur zum Niedrigpreis

Bezirke holen namhafte Künstler zu geringen Kosten in eigene Säle Konzertveranstalter klagen über „staatlich subventionierte Konkurrenz“

Lars von Törne

Ein Kulturangebot wie dieses dürfte sparsame Bürger erfreuen: Gerade mal 16 Euro kosten die günstigsten Karten, wenn zum Jahresende das Orchester der Großen Philharmonie Polens in Berlin ein Silvesterkonzert gibt – Sektempfang inklusive. Für private Konzertveranstalter wie Otfried Laur jedoch ist die Hochkultur zum Niedrigtarif ein großes Ärgernis. Der Grund: Der günstige Preis für Konzerte wie das der polnischen Künstler kommt dadurch zustande, dass sie in öffentlichen Veranstaltungshallen von staatlichen Veranstaltern durchgeführt werden, deren Arbeit zum Teil aus Steuergeldern finanziert wird. Im Fall der polnischen Philharmoniker ist es das bezirkliche Kunstamt Reinickendorf, das den für die Besucher preisgünstigen Auftritt ermöglicht.

„Die Stadt pulvert Millionen von Euros in Veranstaltungen, die durch unsubventionierte Veranstalter besser durchgeführt werden könnten“, ärgert sich Konzertveranstalter Laur und schimpft über „Kulturevents zu Dumpingpreisen auf Steuerkosten“. Würden vergleichbare Veranstaltungen von Privaten organisiert, hätte das allerdings für die Bürger seinen Preis, sagt auch Laur: Karten für besagtes Silvesterkonzert zum Beispiel würden bei ihm das Doppelte kosten, schätzt der Veranstalter. Ein Großteil ginge für Saalmiete oder Personal drauf – Kosten, die ein bezirkliches Kulturamt aus dem eigenen, steuerfinanzierten Etat begleichen kann und so nicht direkt auf die Kartenpreise umlegen muss.

Mit fairem Wettbewerb habe das nichts mehr zu tun, findet auch Konzertveranstalter Burghard Zahlmann. „Ich verstehe, dass bestimmte kulturelle Leuchttürme staatlich gefördert werden müssen“, sagt er. „Aber bezirkliche Billigveranstaltungen verderben die Preise und machen mehr kaputt, als sie bringen.“ Zahlmann hofft, dass die staatlich geförderte Konkurrenz schon bald durch den Sachzwang knapper öffentlicher Kassen passen muss.

Im Falle Reinickendorfs, wegen eigener gut geeigneter Säle einer der größten bezirklichen Konzertveranstalter, ist genau aus diesem Grund jetzt eine Entspannung des Konkurrenzkampfes in Sicht. „Wir werden im kommenden Jahr die Sachausgaben und das Personal für Konzertveranstaltungen verringern“, kündigt Kulturstadtrat Thomas Gaudszun an.

Angesichts der Haushaltsnot will der Bezirk künftig zunehmend mit privaten Veranstaltern zusammenarbeiten, hieß es. Das soll die Kassen spürbar entlasten. So zahlte der Bezirk alleine im vergangenen Jahr rund 50 000 Euro für Konzerte drauf – die Einnahmen betrugen 80 000 Euro.

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