Berlin : Hochsaison für Taschendiebe

100er Bus und U-Bahn-Linie 7 besonders gefährdet BERLIN (lvt / kt).Wenn in diesen Tagen die Frühlingswärme Touristen aus aller Welt nach Berlin lockt, haben auch die Taschendiebe wieder Saison.Vor allem in öffentlichen Verkehrsmitteln muß nun wieder verstärkt mit dem schnellen Griff in die Hosen- oder Handtasche gerechnet werden, warnen Polizei und BVG."Jetzt beginnt für uns die Diebstahlsaison - Touristen und Taschendiebe gehören nun einmal zusammen", sagt BVG-Sprecher Klaus Wazlak."Busse und U-Bahnen sind dabei der Brennpunkt", sagt Winfried Roll, Referatsleiter für vorbeugende Verbrechensbekämpfung bei der Berliner Polizei.Knapp die Hälfte aller gemeldeten Taschendiebstähle finde in öffentlichen Verkehrsmitteln statt.In Bussen und U-Bahnen warnen die Fahrer deswegen jetzt wieder mit Durchsagen vor der Gefahr, so Wazlak.Dabei arbeiten BVG und Polizei eng zusammen, wie Wazlak sagt."Wenn sich in einem Bereich die Diebstähle häufen, bekommen wir einen Anruf und geben das direkt von der Leitstelle per Funk an die Busfahrer weiter, damit die ihre Gäste warnen." Betroffen seien dabei in erster Linie die bei Touristen beliebten Buslinien.Der 100er zwischen Zoo und Alexanderplatz sei in der Diebstahlstatistik "absolute Spitze", gefolgt von den Kurfürstendamm-Linien 119 und 129 sowie von der 148, die zur Steglitzer Schloßstraße fährt.Bei den U-Bahnen sei die Linie 7 bei Taschendieben besonders beliebt, gefolgt von U 9 und U 6.Die Zahl der gemeldeten Taschendiebstähle war dabei allerdings im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit langer Zeit gesunken.1996 registrierte die Polizei 29 538 Fälle, 1997 war die Zahl auf 27 001 zurückgegangen."Und die Tendenz der ersten Monate 1998 ist weiter rückläufig", sagt Winfried Roll.Die Gründe dafür lassen sich nur vermuten.Ob hier der Knittelvers ein wenig zur Wachsamkeit beigetragen hat, den die Ehefrau von Kriminaldirektor Roll vor vielen Jahren reimte und der seitdem in Bussen und Bahnen aushängt? Der Slogan "Gedränge nur dem Dieb gefällt, drum Augen auf und Hand aufs Geld" trage zumindest dazu bei, daß Problembewußtsein der Fahrgäste zu schärfen, so Roll.Es sei allerdings ebenso möglich, daß die tatsächliche Zahl der Taschendiebstähle sich nicht geändert habe, aber die Bestohlenen inzwischen einfach "anzeigenmüde" geworden seien und den Verlust ihrer Börse nicht mehr melden.Denn nur in den seltensten Fällen werde der Dieb gefaßt.Gerade 4,2 Prozent der Diebstähle wurden im vergangenen Jahr aufgeklärt, so die Polizeistatistik.Wird ein Täter ertappt, ist er allerdings noch lange nicht festgenommen.Eine ältere, behinderte Frau, die sich beim Aussteigen durch eine Gruppe Männer drängen mußte, die zwar vor der Tür standen, aber im Bus blieben, bemerkte auf der Straße, daß ihre Handtasche geöffnet war.Die Geldbörse fehlte.Sofort machte die Frau den Busfahrer von außen auf sich aufmerksam, doch dieser fuhr ungerührt ab - mit den mutmaßlichen Tätern.Die Frau wartete, bis der nächste Bus kam und schilderte dessen Fahrer den Fall.Ihr Bus war noch zu sehen.Doch auch der zweite Fahrer unternahm nichts, sondern riet der Frau, zur Polizei zu gehen.Im übrigen solle sie aussteigen, wenn sie nicht mitfahren wolle.Nach Angaben von BVG-Sprecherin Carmen Kirstein hatten sich die Fahrer den Vorschriften entsprechend verhalten.Das Rufen der Polizei über Funk sei zwecklos, weil es zu lange dauere, bis die Polizei dann erscheine.Ein Fahrer könne zwar einen Verdächtigen festhalten, aber nur, wenn er sich dabei nicht selbst gefährde.Und den Bus abzustellen und die Türen zu verriegeln, bis die Polizei kommt, sei nicht zulässig.In der Vergangenheit haben Busfahrer dies aber auch schon praktiziert - wenn sie eine Auseinandersetzung mit einem Fahrgast hatten und sich provoziert fühlten.

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