Hochschule Ernst Busch : Drama um die Schauspielschule

"Dilettantisch und peinlich", wettert die CDU: Denn die Standortsuche für die Hochschule Ernst Busch ist seit Jahren ergebnislos geblieben. Die gemachten Verfahrensfehler können für das Land teuer werden.

Werner Kurzlechner
ernst busch schauspielschule Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Separiertes Miteinander. Die Studenten an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch lernen derzeit an vier Standorten - hier...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Der Opposition liefern die ständigen Pannen bei der seit sieben Jahren erfolglosen Standortsuche für die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch willkommene Munition. „Der Umgang des Senats mit der renommierten Schauspielschule ist dilettantisch und peinlich“, zürnte gestern Nicolas Zimmer, wissenschaftspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) knüpfe nahtlos an das Versagen seines Amtsvorgängers Thomas Flierl (Linke) an. Herbe Kritik kommt aber auch aus den Regierungsparteien. Ein „Unding“ nennt der SPD-Abgeordnete Torsten Schneider die Verfahrensfehler, die dem Land nun eine womöglich kostspielige Schlappe vor der Vergabekammer einbrachten. Im April hatte der Senat die Ausschreibung für einen neuen zentralen Campus ergebnislos abgebrochen. Deshalb muss die Lehrstätte von Bühnengrößen wie Corinna Harfouch oder Nina Petri wohl über 2010 hinaus auf eine würdige Heimat warten. Und das Land muss nach dem Urteil womöglich Schadensersatz in Millionenhöhe leisten.

An einer der berühmtesten Schauspielschulen der Republik lernen etwa 100 Nachwuchsdarsteller ihr Metier in einem maroden Bau in Schöneweide. Zur Hochschule zählen noch mal so viele angehende Regisseure, Choreografen, Bühnentänzer und Puppenspieler. Sie studieren an drei weiteren Standorten in Lichtenberg und Prenzlauer Berg. Studenten und Dozenten ist es seit Jahren zu eng. Außerdem wären sie gerne an einem Ort miteinander kreativ. Doch die Suche zieht sich hin, weil mehrere Bezirke um die Vorzeigeschule buhlen.

Außerdem hakt es am Geld. Seit drei Jahren stehen 29,3 Millionen Euro für einen neuen Standort im Haushalt bereit. Der Senat entschied sich damals dafür, das Projekt für private Investoren auszuschreiben. Für die veranschlagte Summe sollte die Hochschule bis 2010 einen fertigen Campus bekommen. Wegen der schlechten Verkehrsanbindung schied etwa das ehemalige DDR-Rundfunk-Gelände an der Nalepastraße frühzeitig aus, obwohl der israelische Investor Albert Ben-David dort einen Neubau für zwölf Millionen Euro versprach. Bis zum Schluss blieben die Garbáty-Höfe in Pankow, die Josetti-Höfe nahe der Jannowitzbrücke und ein Gelände zwischen Spreeufer und Stralauer Platz im Rennen. Im Frühjahr beendete der Senat das Verfahren, weil alle Angebote deutlich über dem Budget lagen. Allerdings hatte das Land Leistungen wie eine letztlich überflüssige neue Studiobühne ausgeschrieben, solche Kosten in der Kalkulation aber nicht nachvollziehbar einberechnet.

Gegen den Abbruch der Ausschreibung zog einer der verbliebenen Investoren, die WI Garbaty-Projektgesellschaft, vor die Vergabekammer. Deren Geschäftsführer Hans Weil und Maik Kettner unterlagen vor der Kammer mit ihrem Hauptantrag. Das Land muss die Ausschreibung nicht wieder aufnehmen und darf wie im April angekündigt nun weiter landeseigene Immobilien als mögliche Standorte prüfen. Zöllner ließ aus dem Urlaub wissen: „Mein vordringlichstes Ziel bleibt es, dass so schnell wie möglich eine adäquate Lösung gefunden wird.“ Die Richter stellten aber auch fest, dass der Senat für das Verfahrensfiasko selbst verantwortlich ist. Dieses Urteil dient als Grundlage für Schadenersatzforderungen. „Wie hoch unser Anspruch ist, müssen wir erst prüfen“, sagt Kläger Kettner.

Die Folgen der Entscheidung sind kaum absehbar. Denkbar ist, dass nach dem Kammerentscheid auch andere ausgebremste Investoren Geld vom Land fordern. Das könnte sich auf mehrere Millionen summieren. Viel gespart haben dürfte das Land kaum. Vor allem dann nicht, wenn man durch den Rückgriff auf eigene Grundstücke entgangene Verkaufserlöse berücksichtigt. So munkelt man über die Opernwerkstätten an der Chausseestraße als möglichen Standort. „Für dieses Gelände könnte man mindestens zehn Millionen Euro bekommen“, schätzt der SPD-Abgeordnete Schneider.

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