Hochwasser-Hilfe vom THW : Sandsäcke und Schippen aus Berlin-Westend

Das Technische Hilfswerk kämpft gemeinsam mit vielen anderen gegen die Fluten. Koordiniert wird der Großeinsatz aus einer ehemaligen Kaserne in Westend. Ein Besuch beim Leitungs- und Kontrollstab, wo sich die Chefs nicht nur um Sandsäcke kümmern.

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Sie sind fleißige Helfer in der Hochwasserkatastrophe: die Helfer vom Technischen Hilfswerk - hier zugange in Dresden. Foto: dpa
Sie sind fleißige Helfer in der Hochwasserkatastrophe: die Helfer vom Technischen Hilfswerk - hier zugange in Dresden.Foto: dpa

Berlin - Je größer der Stress, desto ruhiger wird Uwe Vogels Stimme. Mit kurzen Kommandos weist der Chef des Leitungs- und Koordinierungsstabes des Technischen Hilfswerks seine Kollegen an. Dreimal am Tag, um 6, 11 und 17 Uhr ist Lagebesprechung. Wo befinden sich wie viele der ehrenamtlichen Helfer, wo stehen die schweren Geräte? Wie steht es um Sandsäcke, Schippen, trockene Kleidung? Vogels Informationen müssen immer auf dem neuesten Stand sein, damit er im Notfall die richtige Entscheidung treffen kann. Die Arbeitsabläufe sind routiniert, von Zahlen und Abkürzungen geprägt. „Prosa ist hier nicht angesagt“, sagt Vogel und reibt sich die Augen.

Geschlafen habe er nicht viel in den vergangenen Tagen, erzählt Vogel. Noch am Wochenende nahm er in Halle/Saale an einer Hochwasserübung teil – als er Sonntagabend zurückkam, stand schon halb Ostdeutschland unter Wasser. Seitdem arbeiten Vogel und seine Kollegen im Zwei-Schicht-System, die Stabsstelle ist rund um die Uhr besetzt. Um 9 Uhr beginnt die erste Schicht, nach zwölf Stunden ist Ablösung. Jeweils sechs Leute pro Schicht arbeiten in dem Büro in der Soorstraße in Berlin-Westend, jeder betreut ein Sachgebiet: Von der Lageüberwachung über die Vergabe von Einsatzaufträgen bis hin zur logistischen Koordination von Personal und Einsätzen.

Oberster Fluthelfer. Manfred Metzger koordiniert von Berlin aus den Einsatz des Technischen Hilfswerks.
Oberster Fluthelfer. Manfred Metzger koordiniert von Berlin aus den Einsatz des Technischen Hilfswerks.

Das schmucklose Büro wird von einem U-förmigen Konferenztisch beherrscht, die Wände sind mit Magnettafeln und Landkarten von Ostdeutschland zugepflastert. Davor stehen Setzkästen, sie sind gefüllt mit magnetischen Markern in allen Farben und Formen. Jedes rote Wimpelchen an der Landkarte steht für eine Einsatzgruppe des Technischen Hilfswerks, jede Änderung der Lage vor Ort hat ein großes Wimpelrücken zur Folge. Gearbeitet wird mit Telefon, Kugelschreiber und Notizblock – so wird der Kontakt zu den Verbindungsleuten vor Ort gehalten, die sich gemeinsam mit Feuerwehr, Bundeswehr, Polizei und freiwilligen Helfern gegen die Wassermassen stemmen.

Hochwasser in Deutschland
Das Hochwasser geht, der Schaden bleibt. Wie hier auf der Bundesstraßee 188 bei Kabelitz (Sachsen-Anhalt). Foto: dpaWeitere Bilder anzeigen
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27.06.2013 21:23Das Hochwasser geht, der Schaden bleibt. Wie hier auf der Bundesstraßee 188 bei Kabelitz (Sachsen-Anhalt).

„Wir arbeiten im Verbund mit den anderen, sind nur ein kleines, aber effektives Rädchen“, sagt Manfred Metzger, der Landesbeauftragte des Technischen Hilfswerks für ganz Ostdeutschland – abgesehen von Mecklenburg-Vorpommern. Seit 1990 macht er den Job schon, hat sowohl die Oderflut 1997 als auch die erste „Jahrhundertflut“ im Jahr 2002 miterlebt. „Die jetzige Flut ist anders“, sagt Metzger, „das Wasser kam diesmal nicht mit der gleichen Gewalt wie damals. Diesmal ist es langsam, aber stetig gestiegen.“ Für die Menschen in Grimma, Eilenburg und Halle sind die Folgen aber die gleichen: Vollgelaufene Keller, schimmelnde Wohnungen, eine ruinierte Infrastruktur. Sie stehen vor den Scherben ihrer Existenz. „Es ist tragisch, dass die Menschen so etwas noch einmal erleben müssen“, sagt Metzger. Er hoffe aber, dass die Schäden nicht ganz so schlimm ausfallen wie noch vor elf Jahren – „nach jetziger Kenntnis entfaltet das Hochwasser nicht die gleichen zerstörerischen Kräfte wie 2002“.

Auch Metzger hat in der letzten Woche 14 bis 15 Stunden am Tag gearbeitet, das Mobiltelefon liegt auch beim Schlafen immer in Griffweite. Er war überall, wo auch das Wasser war: In Eilenburg und Leipzig am Sonntag, in Grimma am Dienstag, in Dessau, Bitterfeld und Halle am Mittwoch. Beeindruckt habe ihn, dass sich die Menschen vorbehaltlos unterstützen würden: „Über Facebook wurden in Dessau Helfer gesucht, um am Flughafen 25 000 Sandsäcke zu füllen – innerhalb von ein paar Stunden waren 600 Leute da, um Sand zu schaufeln.“ Metzger hofft, dass sich die Lage in den Flutgebieten bis Mitte nächster Woche wieder halbwegs normalisiert hat, die Aufräumarbeiten würden sich aber mindestens noch zwei bis drei Wochen hinziehen – was hat Metzger dann als Erstes vor? „Kajak fahren, auf der Mulde“, sagt Metzger. Kajakfahren ist sein Hobby.

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