Berlin : Höher hinaus am Kurfürstendamm Hans Grothe – Bauunternehmer und Kunstfreund

Investor Grothe darf sein geplantes Hotel voraussichtlich auf 17 Etagen aufstocken – im zweiten Anlauf Der Geschäftsmann will am Joachimstaler Platz auch eine Kulturstätte etablieren und eine Skulptur aufstellen

Cay Dobberke

Der Bauherr des Neuen Ku’damm-Ecks, Hans Grothe, will mit seinem benachbarten Hotelneubau höher hinaus. Nach Tagesspiegel-Informationen hat er bei Bezirkspolitikern den Wunsch geäußert, das Luxushotel für die französische Concorde-Gruppe an der Ecke Augsburger und Joachimstaler Straße auf 17 bis 21 Stockwerke zu erhöhen. Genehmigt sind bislang nur elf. Die Fraktionen der CDU und SPD in Charlottenburg-Wilmersdorf werden der Aufstockung auf 17 Geschosse wahrscheinlich zustimmen. Damit scheint die Mehrheit in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) gesichert.

Der Zeitpunkt von Grothes Initiative hängt damit zusammen, dass Baufirmen auf dem Gelände des abgerissenen alten C & A-Kaufhauses die Fundamente für das Hotel vorbereiten; diese müssten für die Aufstockung verstärkt werden. Die neue Planung entspricht einer Bauhöhe von 60 Metern, wie das Büro des Architekten Jan Kleihues mitteilte. Damit entstünde das höchste Haus rund um den Joachimstaler Platz: Das Allianz-Hochhaus misst 56 Meter, das Neue Ku’damm-Eck 44 und das Neue Kranzler-Eck knapp 60 Meter.

Zu dem Projekt gehören auch Läden und ein neuer Standort für das Berliner Panoptikum. Das Fünf-Sterne-Hotel sollte bisher 300 Zimmer bekommen; inwieweit sich diese Zahl nun erhöht, ist noch unklar.

Vor vier Jahren hatte Grothe schon einmal größer geplant. Der Ursprungsentwurf des Hotels sah eine Höhe von 64 Metern vor. Auch das Neue Ku’damm-Eck hätte der Investor gerne höher errichtet. Senatsbaudirektor Hans Stimmann und das damalige Bezirksamt Charlottenburg lehnten aber ab – vor allem mit Rücksicht auf das denkmalgeschützte Allianz-Gebäude. Jetzt sagte Stimmann, den neuen Entwurf bisher nicht zu kennen und beurteilen zu können. Auch Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) wollte noch nicht Stellung nehmen.

Der Bauexperte der CDU-Fraktion im Bezirk, Manfred Gluth, begrüßt das Vorhaben: Zusammen mit dem Allianz-Gebäude und dem Neuen Ku’damm-Eck entstehe eine „geschlossene Einheit“. Dies gelte jedoch nur bei 17 Stockwerken. Bei 21 Geschossen „würde das Allianz-Hochhaus untergehen“. Die SPD-Baupolitikerin Monica Schümer-Strucksberg empfiehlt ihrer Fraktion ebenfalls, einen neuen Bebauungsplan für die 17 Stockwerke zu akzeptieren. Allerdings sei zuvor „die Diskussion mit Anwohnern nötig“. Bei der Grünen-Fraktionschefin Claudia Rathjen hält sich „die Begeisterung bisher in Grenzen“. Ihre Fraktion wolle sich vorläufig aber nicht festlegen. Bevor es zum BVV-Beschluss kommt, muss Grothe seine neuen Pläne ohnehin erst noch offiziell beantragen.

Hans Grothe ist nicht nur als Bauunternehmer, sondern auch als bedeutender Kunstsammler und Mäzen bekannt. Skulpturen von Markus Lüpertz zieren bereits die Fassade seines 2001 eröffneten Neuen Ku’damm-Ecks am Joachimstaler Platz. Auch im Inneren gibt es zahlreiche Kunstwerke. In das Gebäude zogen ein Swissotel-Hotel der Fünf-Sterne-Kategorie sowie das C & A-Kaufhaus, als dessen benachbarter Altbau abgerissen wurde.

Der 72-jährige Duisburger stellte auch rund eine halbe Million Euro für die bisherige Umgestaltung des Joachimstaler Platzes zur Verfügung. Jetzt möchte er dort weitere Ideen verwirklichen. Zum einen denkt Grothe an eine Kulturstätte neben seiner Hotelbaustelle. Dazu will er das alte rote Backsteingebäude der Technischen Universität an der Joachimstaler Straße kaufen. Nach hinten versetzt soll zusätzlich ein gläserner Neubau entstehen, der geringfügig höher als das bestehende Haus würde. Geplant sind dort Ausstellungen moderner Kunst, Ateliers für viel versprechende Nachwuchskünstler und ein exklusiver Club für Kunstfreunde.

Für den öffentlichen Platz ist außerdem die Installation einer 25 bis 28 Meter hohen Skulptur namens „Schwingende Nadel“ im Gespräch. Diese soll nahe der denkmalgeschützten Verkehrskanzel auf dem früheren Parkplatz stehen, der im vorigen Jahr aufgegeben und zu einer betonierten Freifläche umgebaut wurde. In dem Entwurf eines türkischen Künstlers ähnelt das sehr schmale Kunstwerk einer umgedrehten Stecknadel. Eine Kugel am unteren Ende soll durch den Wind in Bewegung geraten. Für die vom Bezirksamt angestrebte Freiluft-Gastronomie an dieser Stelle bliebe trotzdem noch Raum, sagen Charlottenburg-Wilmersdorfer Bezirkspolitiker, denen die Vorschläge vor wenigen Tagen präsentiert wurden. CD

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