Berlin : Höhere BVG-Tarife finanzieren Kanzler-U-Bahn mit

Teures Fahren: Sozialhilfeempfänger müssen für die Monatskarte zunächst fast 187 Prozent mehr zahlen

Klaus Kurpjuweit

Es ist kein Scherz. Vom 1. April 2004 an müssen Fahrgäste, die regelmäßig mit Bahnen und Bussen unterwegs sind, erheblich mehr bezahlen. Diejenigen, die nur hin und wieder eine Fahrt unternehmen, kommen dagegen günstiger weg. Und ganz teuer wird es für Menschen, die besonders wenig Geld haben. Die neuen Tarife für den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) sind gestern vom VBB-Aufsichtsrat beschlossen worden. Jetzt müssen sie noch von der Verkehrsverwaltung genehmigt werden.

Nach Angaben der BVG und der S-Bahn sollen die Preise durchschnittlich „nur“ um 3,3 Prozent steigen. Doch die Rate ist zum Teil viel höher. Die geringere Durchschnittsquote ergibt sich, weil unter anderem die Einzelfahrscheine billiger werden oder der Preis unverändert bleibt. Um 22,1 Millionen Euro sollen die Einnahmen steigen.

Einen Preissprung, wie es ihn wohl noch nie gegeben hat, müssen Sozialhilfeempfänger hinnehmen, die sich eine Monatskarte kaufen wollen. Um satte 186,8 Prozent steigt ihr Preis – und das bereits zum Jahresanfang. Der rot-rote Senat hat den Zuschuss für die bisherigen Sozialkarten gestrichen, sie fallen ersatzlos weg. Die billigste Monatskarte für alle, auf die nun auch die Sozialhilfeempfänger zurückgreifen müssen, kostet derzeit 58,50 Euro. Erst von April an soll es dann einen „Hausfrauentarif“geben. Auf die neue Karte, die erst von 10 Uhr an gilt, sollen dann auch Sozialhilfeempfänger zurückgreifen. Die Steigerung liegt dann immer noch bei 142,7 Prozent. Die Kosten für notwendige Fahrten würden die Sozialämter weiter erstatten, argumentiert Verkehrssenator Peter Strieder (SPD). Dort wird der Verwaltungsaufwand erheblich steigen. Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (PDS) hatte sich für ein „Sozialticket“ eingesetzt, das 39 Euro kosten sollte. Es sollte ab 1. April auch für Arbeitslose und bedürftige Senioren gelten, denn deren günstigere Karten werden dann ebenfalls ersatzlos abgeschafft.

„Nur“ 9,4 Prozent mehr zahlen müssen Käufer von Monatskarten, die dann im Stadtgebiet 64 Euro kosten. Dafür darf man abends nach 20 Uhr sowie am Wochenende einen Erwachsenen und bis zu drei Kinder gratis mitnehmen. Diese Regelung galt bisher nur für die teuren Premiumkarten, die nun wegfallen. Dadurch muss auch für Kinder extra gezahlt werden. Bei Premiumkarten durfte man nämlich tagsüber ein Kind oder ein Rad zusätzlich mitnehmen. Für den Transport von Fahrrädern reicht nun ein Ermäßigungsfahrschein; eine Monatskarte kostet 5 Euro. Besitzer von Zeitkarten dürfen dagegen Hunde weiter gratis mitnehmen. Wer einen Einzelfahrschein hat, muss 1, 40 Euro zahlen.

Und selbst dort, wo es zunächst billiger wird, kann’s am Ende fast doppelt so teuer werden. So sinkt der Preis für den Einzelfahrschein im Stadtgebiet zwar von 2,20 Euro auf 2 Euro, doch dafür gilt er nur noch für eine Fahrt in eine Richtung. Die Möglichkeit, zwei Stunden lang hin und her zu fahren, entfällt. So kostet die Hin- und Rückfahrt statt wie jetzt 2,20 Euro in Zukunft 4 Euro – knapp 82 Prozent mehr.

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