• Hörsaal Straße: Die Studenten streiken und lernen dabei Überall in der Stadt laufen Seminare unter freiem Himmel.

Berlin : Hörsaal Straße: Die Studenten streiken und lernen dabei Überall in der Stadt laufen Seminare unter freiem Himmel.

Semester-Pensum soll trotz der Proteste geschafft werden

Fatina Keilani

Auf Strohballen sitzen die Studenten, es gibt einen Overhead-Projektor samt Leinwand, den Strom erzeugt ein Generator, und weil der so laut ist, gibt es auch ein Mikrofon. Vor dem Roten Rathaus konzentriert sich nicht nur der Protest der Berliner Studenten gegen die Kürzungen bei der Bildung. Hier konzentriert sich auch die Studentenschaft selbst – auf den Lehrstoff.

„Wir müssen das Pensum ja trotzdem schaffen“, sagte Studentensprecher Torben Reelfs (22). Seine landwirtschaftlich-gärtnerische Fakultät soll geschlossen werden. Der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften ist auch mit einer Vorlesung gekommen, weitere sollen folgen. Das zieht sich durch die ganze Stadt. So gab es gestern beispielsweise eine Chemie-Vorlesung an der Ecke Friedrich- und Georgenstraße, ein Seminar im Forum Steglitz und eine Veranstaltung zur Gynäkologie auf dem Augustenburger Platz in Mitte. Die Dozenten sind dabei; auch sie sind von Kürzungen betroffen.

Heute geht es weiter – zum Beispiel um 14 Uhr vor dem Roten Rathaus: „Einführung in die mittelalterliche Literatur“. Eine Jura-Vorlesung soll auf dem Wittenbergplatz stattfinden. Zwischenfälle gab es kaum. Am Montag versuchten 40 Leute „aus Solidarität mit den hessischen Studierenden“ die Hessische Landesvertretung zu besetzen; eine halbe Stunde entrollten sie dort Transparente.

Heute um 10.45 Uhr will der Fachbereich Pharmazie 500 Teilnehmer vom Pariser Platz über die Linden, Friedrichstraße und Mohrenstraße zum Potsdamer Platz ziehen lassen. Mit Verkehrsbehinderungen ist zu rechnen. Bis zum 8. Dezember ist die Mahnwache „Rettet die Bildung“ vor dem Rathaus angemeldet. Erreichen sie nichts, wollen die Protestierer weitermachen. Jede Nacht schläft ein Dutzend auf Isomatten vor dem Rathaus. Sie wollen den Regierenden „durch Penetranz überzeugen.“ Und durch Lautstärke: Am Montagabend wollte Klaus Wowereit (SPD) zu Blasmusik die Lichter auf dem Tannenbaum vor seinem Amtssitz anknipsen. Doch angesichts der Studentengesänge – „Klaus komm raus!“ – verlegte er die Baumfeier mit den Tiroler Gästen ins Rathaus. DieTanne ist nämlich ein Geschenk aus Tirol. Sie wurde von dessen Landeshauptmann persönlich übergeben.

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