Berlin : Hoffen auf ein Wunder

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Der Wirtschaftsstandort Berlin wackelt. Mit einer Übernahme von Schering durch Merck könnte die Stadt die einzige Konzernzentrale eines im Dax notierten Unternehmens verlieren. Schering ist ein gesundes Unternehmen, doch nun könnten wichtige Firmenteile nach Hessen gehen. Berlins Wirtschaft entwickelt sich schlechter als die in anderen Bundesländern, die alarmierenden Nachrichten reißen nicht ab. Samsung und JVC haben ihre Werke dichtgemacht, beim Baumaschinenhersteller CNH hoffen die 600 Mitarbeiter auf ein Wunder. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und sein Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei) haben sich persönlich für die Erhaltung der Industriebetriebe eingesetzt. Aber gegen den Abwärtstrend scheinen sie machtlos zu sein. Seit 1996 liegt das jährliche Wachstum Berlins jeweils unter einem Prozent oder sogar im Minus. Hauptgrund für den Sinkflug ist der Niedergang der Industrie nach der Wiedervereinigung. Die Betriebe im Ostteil der Stadt waren auf den Weltmarkt nicht vorbereitet, im Westen hingen Firmen am Tropf der Berlinförderung. 1991 arbeiteten noch 264 000 Menschen im verarbeitenden Gewerbe, heute sind es weniger als 100 000. In den Neunzigern glaubte die Politik noch, der Dienstleistungsbereich werde diese Jobverluste ausgleichen. Erst seit kurzem stellt man sich der Tatsache, dass ein Großteil der Dienstleister von der Industrie abhängig ist: Wird ein Werk geschlossen, wird auch kein Werkschutz beauftragt. avi

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