Berlin : Hoffen auf Einsicht und Hoffen auf Klagen

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„Wenn es sein muss, kann ich auch in Frankfurt oder Hamburg arbeiten“, sagt der Mann in der Gepäckaufbewahrung und fügt hinzu: „Aber bei der erstbesten Gelegenheit würde ich zurück nach Berlin kommen.“ Er sei ja erst 20 und noch ledig, aber die älteren Kollegen mit Familie machten sich große Sorgen.

DIE REINIGUNGSFRAU.

Erika Schulze schiebt den Wagen mit den bunten Müllsäcken durch die Halle und lächelt. „Oktober? Kann ich mir nicht vorstellen.“ Vielleicht will sie auch einfach nicht, denn Tempelhof als Flughafen gehört zu den Konstanten ihres Lebens. Sie hat noch ein knappes Jahr bis zur Rente und ihr Arbeitgeber habe ihr Hoffnung auf eine andere Stelle gemacht, falls es ernst wird. Aber sie leidet mit den besorgten Kollegen an den vielen Schaltern in der Halle.

DER REISE-VERKÄUFER.

Auf dem Tisch vor Volker Richter liegen Postkarten, die seine Kunden an Klaus Wowereit schicken können, um gegen die Schließung von Tempelhof zu protestieren. Richter ist 44 und Reiseverkehrskaufmann. Eine aussichtslose Kombination auf dem Arbeitsmarkt, sagt er. Seine letzte Hoffnung sind die angekündigten Klagen der Fluglinien. Von der Flughafengesellschaft verspricht er sich nichts: „Die haben uns auch auf Nachfrage kein Angebot gemacht, wie es weitergehen soll.“

DER TAXIFAHRER.

Er lehnt an seinem Mercedes und zuckt mit den Schultern: „Die Leute kommen ja trotzdem. Sie landen nur woanders.“ Aber Tempelhof schließen würde er nicht: „Jeder sagt, dass wir froh sein können über einen so günstig gelegenen Flughafen. Außerdem: Was soll denn aus den ganzen Gebäuden hier werden?“ obs

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