Berlin : Hoffen auf Kommissar Zufall

Vor zwei Jahren wurde Jürgen Bohm beim Joggen im Park ermordet. Vom Täter fehlt jede Spur

Jörn Hasselmann

Der Täter trug Deichmann-Schuhe und er besaß ein Messer. Viel mehr wissen die Ermittler nicht über den Mann, der heute vor zwei Jahren den Geschäftsmann Jürgen Bohm im Volkspark Wilmersdorf ermordete. Wie jeden Morgen joggte der 52-Jährige in dem lang gestreckten Park, der Wilmersdorf und Schöneberg verbindet. Wie immer wollte Bohm auf dem Rückweg Schrippen für seine Frau und seine beiden kleinen Kinder mitbringen, deshalb hatte er nur ein paar Mark bei sich. Wenige Meter von der Stelle entfernt, wo die Prinzregentenstraße den Park quert, traf Dr. Bohm seinen Mörder. 23 Messerstiche in den Kopf töteten den Mann. Ein Gedenkstein, Blumen und Kerzen erinnern hier noch heute an Jürgen Bohm.

Ein Motiv ist für die Ermittler nicht zu erkennen. Wieso Bohm? Wieso gleich 23 Messerstiche? Wieso diese Wut? Es scheint vorher keinerlei Beziehung zwischen Täter und Opfer gegeben zu haben. Solche Fälle gelten als die schwierigsten und sind sehr selten. Schon vor zwei Jahren gab es kaum Hinweise: Eine Frau will zur Tatzeit, 6 Uhr früh, einen Streit gehört haben. Gesehen hat auch sie im Dunkeln nichts. Der Täter hinterließ keine DNA-verwertbaren Spuren, also weder Haare noch Blut. Ein Abgleich mit der DNA-Datenbank ist somit nicht möglich. Auch von dem Messer fehlt jede Spur.

Immer wieder wurden Verwandte, Bekannte und Geschäftspartner des Mannes befragt – ohne Ergebnis. 10000 Euro Belohnung brachten die Mordkommission ebenso wenig weiter wie die Fernsehfahndung bei „Aktenzeichen XY ungelöst“. Auf „XY“ hatten die Fahnder um Chefermittler Konrad Zehnpfenning noch einige Hoffnung gesetzt, weil dort erstmals ein Modell des Schuhs gezeigt wurde, das der Täter getragen haben muss. Im Schnee hatten die Experten der Spurensicherung einen Abdruck des Sohlenprofils gesichert: Modell Memphis vom Schuhgeschäft Deichmann. Größe 43 bis 46, schwarzes Leder, verkauft zwischen 1999 und 2000. Doch „Memphis“ brachte die Ermittler nicht weiter, kein einziger Hinweis ging in den Tagen nach der Ausstrahlung der Sendung bei der 6. Mordkommission ein.

Zu den Akten legen die Fahnder den Fall Bohm auch nach zwei Jahren nicht – Mordermittlungen werden nie eingestellt. Kommissar Zufall könnte weiterhelfen oder das plötzliches Geständnis eines Mannes, der mit seiner Tat nicht mehr leben kann. Solche Treffer sind noch seltener als ein Mord zwischen Unbekannten, aber es gibt sie: „Raubmord nach acht Jahren geklärt“ hieß es kürzlich in der Zeitung.

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